News vom 11.8.2005
Information
Witterung beeinträchtigt die Getreideernte 2005
Große Herausforderung bei der Vermarktung
(Wien, 11. August 2005, AMA) "Die heurige Getreideernte kann mengenmäßig mit den Rekordwerten des Vorjahres nicht mithalten. Die Qualität der geernteten Produkte wurde speziell in der Ostregion des Frühdruschgebietes durch anhaltende Regenfälle in den ersten zwei Juliwochen zum Teil stark beeinträchtigt. Mengenmäßige Einbußen von rund 15% (Getreide ohne Mais) werden erwartet", zog Dipl.-Ing. Werner WEIHS, Vorstandsmitglied der Agrarmarkt Austria (AMA), Bilanz über ein für Österreichs Getreidebauern durchschnittliches Getreidejahr. "Die heurige Ernte stellt nicht nur für die Bauern, sondern auch für den Handel und die Verarbeiter eine große Herausforderung dar. Allein für die Landwirtschaft wird ein Einkommensrückgang beim Getreideabsatz von 30 bis 40 Mio. Euro erwartet", schätzt der Vorsitzende des AMA-Fachbeirates für Getreide, Präsident Franz Stefan HAUTZINGER, und geht davon aus, dass das österreichische Getreide trotz Qualitätseinbußen zu den besten Konditionen vermarktet wird.Die Ernte wird derzeit bemustert und sortiert. Trotzdem bei einem Qualitätsmerkmal, der Fallzahl, die Erwartungen nicht erfüllt werden, hofft man, dass die heimischen Mühlen mit ausreichender mahlfähiger Ware versorgt werden können.
Anbaubedingungen und Flächenveränderungen
"Die Wintersaaten konnten im Herbst 2004 unter guten Wetterbedingungen ausgesät werden. Die Pflanzen waren zu Winterbeginn gut entwickelt, während der kalten Jahreszeit fehlten jedoch ergiebige Winterniederschläge. Strenge Fröste und kalte Tage verhinderten einen zeitgerechten Anbau der Sommerkulturen. Diese wurden erst verspätet Ende März ausgesät und haben besonders in den Trockengebieten unter den geringen Niederschlägen im Mai und Juni gelitten. Die Getreidefläche inklusive Mais ist gegenüber dem Jahr 2004 leicht rückläufig (-3,2%). Ausschlaggebend dafür sind in erster Linie der stark verringerte Körnermaisanbau von über 12.000 ha und die wieder auf 10% angestiegene Stilllegungsverpflichtung", gab Präsident HAUTZINGER einen Überblick über die einzelnen Kulturen.
Hartweizen
Die Durumweizenfläche wurde gegenüber dem Vorjahr reduziert und beträgt im Jahr 2005 ca. 15.000 ha. In den traditionellen Durumweizenanbaugebieten Ostösterreichs blieben regional die Niederschläge unter den Durchschnittswerten. Dies führte im Burgenland zu durchschnittlichen Erträgen von ca. 30 dt/ha, im östlichen Weinviertel lagen die Erträge zwischen 40 und 45 dt/ha. Besonders der Winterdurum war stark vom Auswuchs betroffen. Zahlreiche Partien des geernteten Sommerdurums wiesen ebenfalls überhöhte Auswuchswerte auf. Das Hektolitergewicht und die Glasigkeit sind zufriedenstellend.
Weichweizen
Auf Österreichs Feldern wurden im Herbst 2004 auf rd. 269.000 ha Weizen (inkl. Dinkel) unter optimalen Verhältnissen ausgesät. Die geringe Winterfeuchtigkeit, ein verspätetes Frühjahr sowie regional fehlende Niederschläge führten zu unterschiedlichen Ertragsergebnissen. Ausgiebige Niederschläge in den beiden ersten Juliwochen im Osten Österreichs beeinträchtigten die Qualität; regional fielen bis zu über 100 mm Niederschläge auf die fast fertig ausgereiften Weizenfelder. Diese Witterungsverhältnisse führten in den betroffenen Gebieten zu Auswuchsschädigungen und bereitete den Aufkäufern bei der Übernahme der gedroschenen Ware große Probleme. Mit dem Auswuchs wurde die Fallzahl herabgesetzt, wobei der Erntezeitpunkt für den Wert der Fallzahl entscheidend war. Später geerntete Partien zeigten geringeren Auswuchs und somit bessere Fallzahlen. Oberösterreichischer Mahlweizen hat diesbezüglich zufriedenstellende Werte.
Die Schätzung liegt dahingehend, dass österreichweit ein Drittel der geernteten Weizenmenge Fallzahlwerte (Qualitätskriterium) von unter 220 sec. aufweisen wird. Diese Mengen sind nur bedingt für die Müllerei verwertbar. Der größere Teil wird als Futterweizen Verwendung finden müssen. Die Hektoliterwertegewichte bei Weizen liegen heuer niedriger als im Vorjahr. Beim Protein werden zufriedenstellende Qualitäts- bzw. Premiumwerte erreicht. Die Ergebnisse im westlichen Niederösterreich sowie in Oberösterreich liegen heuer durchschnittlich höher.
Roggen
Die Roggenanbaufläche ist abermals rückläufig und gegenüber dem Vorjahr auf knapp über 42.000 t (ca. -7%) gesunken. Die Erträge sind gut, die Qualitäten sind im Gegensatz zum Weichweizen zufriedenstellend, Amylogramm-Werte und die Fallzahl erfüllen die Anforderungen der Müllerei. Im Waldviertel, dem Hauptanbaugebiet für Roggen, wurde nach aktuellen Informationen erst mit der Ernte begonnen.
Wintergerste
Auch bei Wintergerste wurde die Anbaufläche um nahezu 10% reduziert. Die Gerstenbestände waren großteils vor dem Juliregen abgeerntet. Bei knapp 73.000 ha sind bei dieser Kulturart gute Durchschnittserträge und Qualitäten eingebracht worden. Bis zu 60 dt/ha konnten auch im Trockengebiet geerntet werden, die Kornsortierung und Hektolitergewichte über 65 kg runden das Ergebnis positiv ab.
Sommergerste (Braugerste)
Gegenüber dem Vorjahr gab es eine flächenmäßige Ausweitung auf 117.000 ha (ca. +6%). Die guten Erträge des letzten Jahres sowie die optimalen Braugerstenqualitäten haben den Sommergerstenanbau wieder interessanter gemacht. Auffallend bei Braugerstenanlieferungen sind die unterschiedlichen Qualitäten. Im pannonischen Raum sind höhere Proteinwerte ausschlaggebend dafür gewesen, dass nur rund 50% als braufähige Ware geerntet wurden. Entschieden bessere Qualitäten und entsprechend niedrigere Proteinwerte wurde aus dem Weinviertel gemeldet. Die Siebung war im Allgemeinen recht gut.
Ölsaaten und Eiweißpflanzen
Ölraps
Mit der erneuten Verringerung der Anbaufläche wurde der Trend der letzten Jahre fortgesetzt. Die keineswegs optimalen Bedingungen zum Rapsanbau im Sommer 2004 führten dazu, dass Ölraps nur mehr auf knapp über 28.000 ha angebaut wurde. Die im Herbst gut entwickelten Bestände haben den Winter optimal überstanden, die Schneedecke im Februar verhinderte ein Ausfrieren wie im Jahr 2003. Mit guter Bestandsführung und entsprechender Schädlingsbekämpfung konnte Raps auch auf trockenen Standorten Erträge bis zu 30 dt/ha erzielen. Die heurigen Ergebnisse lassen hoffen, dass Raps wieder vermehrt ausgesät wird.
Körnererbse
Eine Flächenreduktion von 9% ist zu verzeichnen. Diese beträgt heuer rd. 35.500 ha. Fehlende Niederschläge im Frühjahr, Blattlausbefall und im Juli Regenfälle bewirkten, dass die Körnererbse am Stärksten aller Kulturen von der Ertragsleistung betroffen war. Unterdurchschnittliche Erträge von gebietsweise lediglich 20 dt/ha lassen befürchten, dass die Anbauflächen weiter sinken werden.
Getreidemarktsituation in der EU
Wirtschaftsjahr 2004/2005
"Mit dem Beitritt der 10 neuen Mitgliedstaaten hat sich die Marktsituation bei Getreide in der Europäischen Union grundlegend verändert. Die Getreideanbaufläche erhöhten sich um über 40% auf 52 Mio. ha. Die Getreideproduktion belief sich auf insgesamt 283 Mio. t, das bedeutet eine Erhöhung von rd. 30%. Die Osterweiterung, die Rekordernte 2004 sowie die Überschussregion in Mitteleuropa beeinflussten die Vermarktung der Getreideernte stark. Die staatlich aufgekauften Interventionsmengen erhöhten sich sprunghaft", erläutert Christian Gessl, Abteilungsleiter der AMA, die EU-Getreidemarktsituation.
Der Gesamtverbrauch in der EU 25 bewegte sich nun mehr um 245 Mio. t. Den importierten Getreidemengen von rd. 10 Mio. t Getreide stehen Exporte von rd. 23 Mio. t gegenüber.
Die Interventionsbestände beliefen sich EU-weit zu Beginn des Wirtschaftsjahres 2004/2005 auf insgesamt 3,6 Mio. t Getreide. Im Laufe des Getreidewirtschaftsjahres wurde dieser Bestand auf 15,7 Mio. t erhöht, wobei nach Deutschland (ca. 5 Mio. t) Ungarn (rd. 4,2 Mio. t) den größten Bestand aufweist.
Ende Juli 2005 lagen die Notierungen für Soft Red Winter 2 bei rd. 130 US $/t, für Hard Red Winter 2 bei rd. 150 US $/t und für Mais YC3 (Mais) bei rd. 106 US $/t und damit niedriger als im Jahr davor.
Wirtschaftsjahr 2005/2006
Nach Schätzungen der EU-Kommission wird für das heurige Jahr in der EU-25 eine Getreideernte von rund 260 Mio. t erwartet. Dies zeigt gegenüber dem Vorjahr eine wesentliche Produktionsminderung von rund 9%. Mit einem derzeitigen Gesamtanfangsbestand aus der Vorjahresernte von geschätzten 50 Mio. t stehen ab nun rund 336 Mio. t Getreide (inkl. Import) der EU-25 für den Verbrauch zur Verfügung. Laut einer vorläufigen Getreidebilanz der Kommission werden 246 Mio. t Getreide zum Verbrauch benötigt. Die verbleibende Menge sollte in Exporten ihren Absatz finden.
Aus Ungarn wird von unterschiedlichen Ergebnissen berichtet. Während bei der Gerste von einer guten Ernte ausgegangen wird, ist der Weizen im West- und Ostungarn qualitativ beeinträchtigt. Wegen stauender Nässe konnten große Bestände erst spät geerntet werden.
Die Dürresituation auf der iberischen Halbinsel hat die Ernte katastrophal ausfallen lasse. Der Importbedarf wird auf 17 Mio. t Getreide geschätzt.
Erst nach Vorliegen der Ernteergebnisse in Deutschland und Frankreich wird sich zeigen, wie sich vor allem der Weizenmarkt darstellen wird. Anfänglich wurden gute Erträge und Qualitäten prognostiziert. Die witterungsbedingten Ernteverzögerungen dürften nun das Ergebnis etwas verschlechtern.
Getreidemarktsituation am Weltmarkt
Weltweit wird mit einem Rückgang der Getreideerzeugung von rund 5% gerechnet. Die heurige Ernte wird derzeit auf 1,55 Mrd. t geschätzt. Die Weizenerzeugung wird rd. 612 Mio. t betragen und mit 2% das Vorjahresergebnis unterschreiten. Die Endbestände werden sich wie in den letzten drei Jahren jedoch verringern.
Die Ernte für Ölsaaten wird mit ca. 280 Mio. t als sehr gut eingeschätzt.
Studien der EU-Kommission sowie der OECD gehen langfristig sowohl von einer erhöhten Getreideproduktion als auch von einem steigenden Verbrauch aus. Für die Europäische Union wird mit Steigerungsraten von bis zu 5% gerechnet, die weltweiten Zuwächse werden derzeit auf bis zu 10% geschätzt.
Die schweren Niederschläge in Rumänien haben die Getreideernte stark beeinträchtigt. Der Futterweizenanteil bei der Weizenernte wird bereits auf 2/3 geschätzt. In der Schwarzmeerregion ist wieder mit Überschüssen bei Weizen zu rechnen, Russland zB rechnet mit einer guten Ernte.
Weitere Informationen und Fotos finden Sie auch im Internet unter www.ama.at
Agrarmarkt Austria
Christian Gessl
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