News vom 8.8.2003
Presseinformation
Dürre verursacht schwache Getreideernte
Getreidemarkt 2003 in Österreich
(Wien, 8. August 2003, AMA) "Die hochsommerliche, sehr heiße Witterung hat die Getreideernte bereits mit Anfang Juli - also sehr zeitig - beginnen lassen. Durch die anhaltende und für den Drusch günstige Witterung wurde die Ernte rasch abgeschlossen. Die im Mai und Juni erstellte Prognose einer mäßigen Ernte muss nun nach Vorliegen weiterer Ergebnisse erneut reduziert werden. Notreife hat in den letzten Wochen die Erträge vehement schrumpfen lassen. Während insgesamt das Ertragsniveau um bis zu 15% hinter dem schon schlechten Ergebnis des Vorjahres liegt, ist die Qualität zufriedenstellend. Auffallend ist wieder der hohe Proteingehalt bei Weizen im pannonischen Raum. Von Oberösterreich werden vorläufig durchschnittliche, vom Waldviertel schwache Erträge gemeldet," zog Dipl.-Ing. Werner Weihs, Vorstandsmitglied der Agrarmarkt Austria (AMA), Bilanz über ein für Österreichs Getreidebauern von extremer Dürre geprägtes Jahr.Anbaubedingungen und Flächenveränderungen
Präsident Franz Hautzinger, Vorsitzender des Fachbeirates für Getreide der AMA, gab einen Überblick über die einzelnen Kulturen: "Der Anbau von Wintergetreide (Wintergerste, Roggen und Weichweizen) hat sich aufgrund des lange anhaltenden Regens im Herbst schwierig gestaltet bzw. auch verzögert. Winterweizen konnte mancherorts nicht mehr angebaut werden. Das ist ein Grund für den Rückgang der Anbauflächen um rund 20.000 ha im Vergleich zum Vorjahr. Auch die Hochwasserkatastrophe vom August 2002 hatte noch Folgen im Weizenanbau. Teilweise konnten überflutete Felder im Hochwassergebiet nicht bewirtschaftet bzw. bebaut werden," erklärte Hautzinger.
Nach den Problemen des Herbstanbaues ergab sich im Winter infolge starker Bodenfröste und geringer Schneedecke die nächste Schwierigkeit: Viele Wintersaaten sind abgefroren. Besondere Auswinterungsschäden gab es bei Wintergerste, Weizen und Raps. Zu Beginn des Frühjahres Ende März - Anfang April folgte abermals eine Kälteperiode, die beim Raps zu Verzweigungsproblemen, bei Weizen zu schwacher Bestockung führte. Die bereits angesprochenen Faktoren haben im wesentlichen zur heurigen Anbauverschiebung und zum schwachen Ertragsergebnis geführt.
Hartweizen:
Die Anbaufläche von Durumweizen ist deutlich höher als im Vorjahr. Sie hat sich von 13.000 auf rund 17.000 Hektar vergrößert. Der Grund liegt in der Reduktion der Wintergetreidefläche in diesem Jahr. Der Hartweizen hat die extreme Hitze verhältnismäßig gut überstanden. Die Erträge sind im Vergleich zu anderen Getreidearten relativ gut und belaufen sich im Durchschnitt zwischen 45 und 50 dt/ha (Dezitonnen/Hektar). Die Qualität könnte nach ersten Berichten den Erwartungen entsprechen.
Weichweizen:
Die Anbaufläche ist heuer um 20.000 ha gesunken und die bereits erwähnten Gründe werden auch eine dementsprechende verringerte Marktleistung verursachen. Das Ertragsniveau liegt im pannonischen Anbaugebiet im Durchschnitt bei 40 - 45 dt/ha, wobei in Gebieten wie dem nördlichen Burgenland und dem Seewinkel lediglich Erträge bis zu max. 30 dt/ha erzielt werden konnten. Bemerkenswert sind daher die in diesem Jahr großen Ertragsunterschiede. Die Bodenbonität und regionale Unwetter führten zu ganz unterschiedlichen Ertragsergebnissen. Die Hektolitergewichte liegen zwischen 78 und 81 kg. Die für Premiumweizen geforderten 78 kg Mindesthektolitergewicht werden aber voraussichtlich zu 70 - 80 % erfüllt.
Der geforderte Wert von 15 % Protein wurde großteils bei weitem überschritten (im Durchschnitt zwischen 16 und 17 % Protein). Die vorläufigen Fallzahlen liegen über 300 sec. Das Alveogramm - ein zusätzliches Qualitätskriterium für die Teigeigenschaften - erfüllt die Erwartungen. Der Schädlingsbefall hat zusätzlich viele Bestände in Mitleidenschaft gezogen. Ein entsprechender Pflanzenschutz wird immer wichtiger. Auch in Oberösterreich gibt es schwächere Erträge als im Vorjahr. Die Mahlweizenkriterien werden erfüllt. Beim Futterweizen dürften heuer nur geringe Mengen verfügbar sein.
Roggen:
Die schwachen Erträge der letzten Jahre und die dauernde Diskussion über das Auslaufen der Roggenintervention bewirkten einen Anbaurückgang von rund 20 % gegenüber dem Vorjahr. Vermutlich werden Roggeneinfuhren nach Österreich notwendig sein. Im Waldviertel hat die Ernte ebenfalls sehr zeitig eingesetzt. Die Erträge sind wie überall schwach, die gewünschten Eigenschaften für die Mühlenwirtschaft werden erfüllt (Hektolitergewicht: zwischen 73 und 74 kg, 800 AE, Fallzahl: um 200 sec).
Wintergerste:
Die Anbaufläche hat sich aufgrund der beträchtlichen Auswinterungsschäden reduziert. Die Fläche liegt bei rund 73.000 ha. Die Wintergerste, die nicht umgebrochen wurde, hat in weiterer Folge die extremen Witterungsbedingungen schlecht überstanden. Ertragseinbußen bis zum Totalausfall sind die Folge. Das Hektolitergewicht von angelieferter Wintergerste ist sehr niedrig (bis zu 56 kg).
Sommergerste (Braugerste):
Die Anbaufläche hat um rund 15.000 ha deutlich zugenommen. Der Durchschnittsertrag ist bedeutend schwächer als im Vorjahr und liegt bei ca. 40 - 42 dt. Im Durchschnitt dürfte der Eiweißgehalt den Erwartungen der Brauindustrie entsprechen. Die diesjährige schwächere Siebung ist auf die große Hitze bei der Reife zurückzuführen. Der heimische Braugerstenbedarf dürfte in diesem Jahr durch die Inlandsernte wieder gedeckt sein.
Ölsaaten und Eiweißpflanzen
Ölraps:
Die Abnahme der Anbaufläche ist auffallend und bestätigt die Prognosen. 2002 hat sie noch 45.000 ha betragen und ist jetzt auf 35.000 ha gesunken. Der Anbaurückgang ist darauf zurückzuführen, dass das Ertragsniveau im Vorjahr extrem niedrig war. Die niedrigen Erträge (0 - 30 dt/ha) sind heuer neben der großen Hitze auch auf geringe Verzweigung während des Vegetationsstadiums, extrem zeitigen Blühbeginn und beträchtlichen Schädlingsbefall (Kohlschotenmücke) zurückzuführen.
Körnererbse:
Der Anbau stagniert. Im Jahr 2003 war ein leichter Anstieg der Anbaufläche um 1.000 ha auf 42.000 ha festzustellen. Die heuer wieder nicht zufriedenstellenden Erträge sind auf das ungenügende Sortenangebot zurückzuführen.
Getreidemarktsituation in der EU
Wirtschaftsjahr 2002/2003
Die Getreideernte 2002 belief sich auf insgesamt 208,2 Mio. t und lag somit um rund 4,15 % über der Vorjahrsernte. Der Gesamtverbrauch überstieg mit 192,1 Mio. t um 2,34 % den des Wirtschaftsjahres 2001/2002. Ein kräftiger Anstieg konnte im Handel mit Drittstaaten verzeichnet werden. Die Drittlandsexporte waren mit 26,7 Mio. t um rund 36 % höher als im Jahr davor. Gleichzeitig stiegen jedoch auch die Getreideimporte auf insgesamt 14,7 Mio. t, was eine Erhöhung um 11,57 % bedeutet.
Während für die Drittlandsexporte für Gerste Erstattungssätze bis zu max. 15,- EUR/t festgesetzt wurden, konnten anfänglich Weichweizenmengen ohne Ausfuhrsubventionen exportiert werden. Im Laufe des Wirtschaftsjahres musste die EU-Kommission wieder auf das Ausfuhrerstattungssystem zurückgreifen, sodass sich die festgesetzten Erstattungsbeträge kontinuierlich auf mittlerweile 17,- EUR/t erhöht haben. Im Rahmen des Einfuhrzollregimes der EU war großteils kein Einfuhrzoll festgelegt, lediglich bei Mais bewegten sich die festgesetzten Zollsätze zwischen ca. 30,- und 60,- EUR/t.
Die Interventionsbestände beliefen sich am Beginn des Wirtschaftsjahres 2002/2003 auf insgesamt 8,0 Mio. t. Im Laufe des Getreidewirtschaftsjahres wurde dieser Bestand auf 6,5 Mio. t reduziert, wobei der Roggenbestand mit 4,0 Mio. t den Großteil ausmacht.
Der EU-Getreidemarkt war im abgelaufenen Wirtschaftsjahr weiterhin geprägt von den mit den zukünftigen Beitrittskandidaten abgeschlossenen Doppelnull-Abkommen, welche die Möglichkeit boten, zollfrei Getreide und Getreideerzeugnisse in den EU-Raum zu verbringen. Beispielsweise wurde ein mit Ungarn abgeschlossenes Abkommen über den Import von 450.000 t Mais im Laufe des Wirtschaftsjahres voll ausgeschöpft. Die Abänderung des Importregimes für Weizen - nämlich die Umstellung auf ein Tranchensystem mit festgesetzten Einfuhrzollsätzen - sowie die stark veränderte Währungsparität zwischen Dollar und Euro beeinflussten den Getreideaußenhandel zusätzlich.
Zu den Preisen kann angemerkt werden, dass die Weizenpreisnotierungen in der Höhe von 165,- US-$/t im Zeitraum September bis Dezember gegen Ende des Wirtschaftsjahres auf etwa 130,- - 135,- US-$/t fielen, derzeit kann aber wieder ein Anstieg bei den Notierungen festgestellt werden.
Wirtschaftsjahr 2003/2004
Die Anfang Juli geschätzte Produktionsmenge für dieses Wirtschaftsjahr wurde auf rund 200 Mio. t prognostiziert und lag somit um etwa 4 % niedriger als im Vorjahr. Der Rückgang der Getreideanbauflächen um 2,5 % auf rund 36,2 Mio. ha sowie die drastische Entwicklung der Durchschnittserträge in der EU bedingt durch die Witterungsverhältnisse sind Gründe dafür, dass diese Schätzungen weiter nach unten revidiert werden müssen. Während bei Gerste mit einer etwas geringeren Produktionsmenge gerechnet wird, rechnet Frankreich bei Weizen schon mit einem Rückgang von 6 Mio. t, was einen Rückgang des EU-Ernteaufkommens von über 6 % bedeutet. Der Rückgang der Roggenproduktion wird auf über 20 % geschätzt. Dieser Rückgang von fast 2 Mio. t ab dem Jahr 2000 auf nunmehr 3,5 Mio. t erklärt sich durch die starke Reduktion der Anbaufläche in Deutschland.
Da die Ernten in den osteuropäischen Ländern durchwegs ebenfalls gering ausfallen werden, ist mit einem abgeschwächten Marktdruck aus diesen Gebieten trotz der Möglichkeit der zollfreien Importe zu rechnen.
Der kräftige Anstieg der Weizenproduktion in den USA, Kanada und Australien sowie der niedrige Dollarkurs bedeuten jedoch gleichzeitig einen höheren Druck aus diesen Regionen. Der für Österreich so wichtige Markt Italien wird im heurigen Jahr heiß umkämpft sein. Dem gegenüber steht für Österreich ein Importbedarf bei Roggen, welcher hauptsächlich aus Deutschland gedeckt werden wird.
Tabellen und Grafiken zur Presseinformation
Fotos von der Presseveranstaltung
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Abteilungsleiter Marktordnungen, Markt- und Preisberichte
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Agrarmarkt Austria
DI Martina Mayerhofer
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