News vom 11.8.2006
Presseinformation
Getreideernte in Österreich - gute Qualitäten aber keine übermäßigen Erträge
Rohstoffe vom Acker – gefragt bei Supermärkten und Tankstellen
Getreidemarkt im Aufwind
(Wien, 11. August 2006, AMA) „Die Getreideernte in Österreich ist heuer rasch und unkompliziert verlaufen. Bis zum heutigen Zeitpunkt konnte mit Ausnahme des Waldviertels und Teile Oberösterreichs die Ernte abgeschlossen werden. Aufgrund der lang andauernden Winterperiode und der damit in Verzug geratenen Frühsjahrsbestellung wurde ursprünglich mit einem späteren Erntezeitpunkt gerechnet. Das heiße und trockene Wetter im Juni und Juli hat die Reifung und somit die Ernte jedoch wesentlich beschleunigt. Mit einer geschätzten Produktionsmenge von etwa 2,6 Mio. t bleibt die heurige Getreideernte (ohne Mais) um fast 7 % unter den Vorjahrswerten“, stellt Dipl.-Ing. Werner Weihs, Vorstandsmitglied der Agrarmarkt Austria, fest.„Die heurige Ernte wird auf Grund der guten Qualitäten leichter zu vermarkten sein. Wir haben heuer über 80 % des Brotgetreides im Qualitäts- bzw. Premiumbereich“, berichtet Franz Stefan Hautzinger, Vorsitzender des Fachbeirates Getreide in der AMA.
Getreidehändler zeigen großes Interesse, zumal die gesamteuropäischen Ertragserwartungen unterdurchschnittlich ausfallen. Dazu kommt, dass aufgrund der hohen Rohölpreise landwirtschaftliche Rohstoffe verstärkt auch außerhalb des Lebensmittelbereiches nachgefragt werden.
„Damit konkurrieren Supermärkte und Tankstellen um die gleichen Rohstoffe unserer Äcker“, so Hautzinger, der damit auch mittelfristig eine Trendwende am Getreidemarkt hin zu einem Nachfragemarkt erwartet.
Anbaubedingungen und Ernteergebnisse
Der kalte und schneereiche Winter verursachte bei den Winterkulturen Roggen, Wintergerste und Triticale in bestimmten Regionen (insbesondere im Waldviertel und in Oberösterreich) Auswinterungsschäden, sodass Flächen in größerem Umfang umgebrochen werden mussten. Diese Flächen wurden im Frühjahr hauptsächlich mit Sommergerste und Sonnenblumen bestellt. Der lang anhaltende Winter ermöglichte den Frühjahrsanbau erst in den letzten Märztagen, in bestimmten Regionen wurde sogar erst Anfang April gesät. Ausreichende Niederschläge und kühle Frühlingstemperaturen im gesamten Anbaugebiet verhalfen den Getreidebeständen zu einer sehr guten Entwicklung. Bei der Kulturart Ölraps waren die Wuchsbedingungen optimal. Eine kurze Blühphase bei Roggen und Weizen beeinträchtigten die Erträge. Die wochenlange Hitzeperiode im Juni und Anfang Juli ließ das Getreide rasch abreifen, sodass Anfang Juli im Frühdruschgebiet mit der Ernte begonnen wurde.Die Qualität beim Weizen ist ausgezeichnet, Topqualitäten können angeboten werden. Die Ergebnisse der bis zum Einsetzen der Schlechtwetterperiode eingebrachten Ernte in Oberösterreich bestätigen den bundesweiten Trend. So konnten Mahlweizenqualitäten mit hohen Proteinwerten erzielt werden.
Das Preisniveau – bedingt durch den hohen Anteil hochqualitativer Ware (insbesondere Weizen) - liegt heuer höher als vergleichsweise im Vorjahr.
Dies lässt einen Anstieg bei den Erzeugerpreisen um mindestens 10 % erwarten.
Die Getreideanbaufläche ist österreichweit gegenüber dem Vorjahr um 2 - 3 % gesunken. Auffallend ist der Flächenrückgang bei Wintergerste (-13 %), Roggen (-37 %) und Triticale
(-40 %), dies ist - wie schon erwähnt - auf Umbrüche wegen Auswinterungen zurückzuführen. Dagegen stieg die Fläche von Sommergerste um 20 % und Hafer um 16 %. Bei den Ölsaaten gibt es erfreulicherweise eine Steigerung bei Ölraps (+25 %) und Sonnenblumen (+22 %).
Hartweizen (Durum)
Die Durumweizenfläche wurde gegenüber dem Vorjahr geringfügig ausgeweitet und beträgt nun beinahe 16.000 ha. In den traditionellen Durumweizenanbaugebieten Ostösterreichs ergeben sich gute Erträge um rd. 45-55 dt/ha. Die Qualitäten sind sehr gut; besonders die hohe Glasigkeit über 90 % und das Hektolitergewicht über 80 kg/hl erfüllen die Erwartungen. Die Regenfälle beeinträchtigen jedoch die Qualität der noch einzubringenden Durummenge auf einer Fläche zwischen 200 bis 300 ha.Weichweizen
Die Anbaufläche ist gegenüber dem Vorjahr geringfügig reduziert worden (rd. 266.600 ha; im Vorjahr 272.700 ha). Das Ertragsniveau konnte die Erwartungen nicht erfüllen, jedoch wurden sehr gute Qualitäten erzeugt. Der Anteil an Qualitäts- und Premiumweizen mit hervorragenden Qualitätsparametern liegt mit über 80 % in den Hauptanbaugebieten weit über dem Ergebnis des Vorjahres. Die Hektolitergewichtswerte liegen größtenteils über 80 kg und der Proteingehalt liegt fast ausschließlich zwischen 14 – 16 %. Fallzahlwerte von 300 Sekunden und darüber konnten erzielt werden. Der Regen der letzten Tage beeinträchtigt jedoch die Qualitätsaussichten der noch nicht gedroschenen Bestände, sodass in diesen Regionen vermehrt mit Futterweizen zu rechnen sein wird. Wie schon erwähnt hat der schneereiche Winter regional zu Ertragseinbussen geführt. Krankheiten wie beispielsweise Steinbrand haben gebietsweise zusätzlich zu Ertragsbeeinträchtigungen geführt. Die Erträge sind unterschiedlich jedoch in großen Teilen des Hauptanbaugebietes liegen die Erträge um 45-50 dt/ha. Somit kann die Versorgung der heimischen Mühlen mit hochqualitativem Weizen sichergestellt werden. Mahlweizen wird gefragt sein.
Roggen
Die Roggenanbaufläche ist zum Vorjahr deutlich gesunken; Die Anbaufläche liegt im heurigen Jahr bei rd. 27.000 ha (-37 % gegenüber dem Vorjahr). Die Auswinterungsschäden im Waldviertel sowie das niedere Preisniveau sind die Ursache für den Anbaurückgang. Die Roggenerträge liegen um 40 - 45 dt/ha. Die bereits geernteten Qualitäten sind gut. Die Amylogrammwerte (über 1000AE) und die Fallzahlen sind hoch. Die starken Regenfälle sowie die derzeitigen Wetterprognosen für das Waldviertel als Roggenhauptanbaugebiet dämpfen jedoch die Erwartungen. Die geringe heimische Produktionsmenge an Mahlroggen bewirkt einen Versorgungsengpass der heimischen Mühlen. Aus heutiger Sicht kann maximal mit einer 50 %igen Abdeckung des Vermahlungsbedarfes gerechnet werden.Wintergerste
Der Anbau der Wintergerste wurde ebenso wie Roggen aufgrund der Kälteschäden reduziert und liegt derzeit bei rd. 64.000 ha (-12 % zum Vorjahr). Die meist schönen Gerstenbestände haben enttäuscht; die Durchschnittserträge liegen um 53 dt/ha, im Marchfeld erreichen diese 60 dt/ha. Kornsortierungen und Hektolitergewichte erreichen ein positives Ergebnis.Sommergerste (Braugerste)
Die Fläche von rund 143.000 ha ergibt zum Vorjahr eine rd. 20 %ige Steigerung, welche auf den Umbruch von Wintergetreide im Frühjahr und dem dafür getätigten Sommergerstenanbau zurückzuführen ist. Die Sommergerstenerträge sind gut, regional jedoch stark schwankend. Durchschnittlich kann von einem Ertrag von 40 - 45 dt/ha ausgegangen werden. Der Eiweißgehalt zwischen 9 und 11 % wird die Mälzereien zufriedenstellen. Die Kornsortierung dagegen ist unterschiedlich und oft sehr niedrig.Ölraps
Der Ölrapsanbau ist gegenüber 2005 wieder angestiegen. Die Fläche von rd. 36.000 ha zeigt eine Steigerung von rd. 25 % gegenüber dem Vorjahr. Das derzeit hohe Preisniveau und die diesjährige gute Ertragssituation lässt einen weiteren Flächenzuwachs in den kommenden Jahren erwarten. Die Voraussetzungen zu einer guten Rapsernte haben sich schon im Herbst 2005 gezeigt; der harte Winter hat dieser Frucht keine großen Probleme bereitet; die Wuchsbedingungen im darauf folgenden Frühjahr waren sehr gut. Die Rapserträge liegen heuer hoch wie selten zuvor, 30 - 40 dt/ha beweisen das erfreuliche Ergebnis. Eine Deckungsbeitragsrechnung zeigt bei diesem Ergebnis und den gestiegenen Weltmarktpreisen derzeit Vorteile gegenüber dem Weizenanbau.Körnererbse
Bei dieser Kulturart ist ein stetiger Rückgang im Anbau zu verzeichnen. Die Anbaufläche von heuer rd. 33.000 ha zeigt eine Reduktion von 10 % zum Vorjahr. Die Erträge liegen zwischen 20 und 30 dt/ha. Ursprünglich war während der Vegetation mit einem höheren Ertragsniveau zu rechnen. Aufgrund der kurzen Blühphase wiesen die Bestände bei der Ernte leere Schoten auf.Die extreme Hitze und Trockenheit in den vergangenen Wochen schädigte die noch am Feld stehende Kulturarten wie Mais, Hirse, Sojabohne und Sonnenblumen außerordentlich. Die von Hitze geschädigten Bestände werden notreif und somit das Ertragsniveau wesentlich geschmälert. Der Wetterumschwung in den letzten Tagen könnte für viele Bestände noch die Rettung bedeuten.
Internationaler Getreidemarkt
In der Europäischen Union war das Wirtschaftsjahr 2005/2006 vor allem durch die Trockenheit in Spanien und Portugal geprägt. Dadurch kam es zu einem deutlichen Rückgang der Getreideerzeugung, sodass 2005 insgesamt knapp 256 Mio. t geerntet wurden während 2004 aufgrund der Rekordernte 285 Mio. t eingebracht wurden. Die EU- Weizenproduktion sank auf 115 Mio. t.Dem Gesamtangebot von 326 Mio. t (inkl. Lagerstand von Juni 2004) stand 2005/2006 ein Gesamtverbrauch von rund 244 Mio. t gegenüber. Der Verbrauch für Futtermittel betrug rund 152 Mio. t, die Lebensmittelindustrie benötigte ca. 80 Mio. t. Den importierten Getreidemengen von rd. 10 Mio. t standen Exporte von rd. 22 Mio. t gegenüber.
Die EU-Interventionsbestände beliefen sich zum Ende des Wirtschaftsjahres auf rd. 14 Mio. t (im Vergleich zum Vorjahr 15,5 Mio. t). Während in der Vergangenheit Deutschland das Interventionsgeschehen dominierte, ist Ungarn mittlerweile das Land mit den größten Interventionsbeständen (7 Mio. t)
Der Anstieg der Interventionsbestände in den neuen Mitgliedsstaaten und in erster Linie in Ungarn ist auf die Intervention als beste Vermarktungsmöglichkeit für viele Marktteilnehmer zurückzuführen. Aufgrund des fehlenden direkten Zuganges zu einem Seehafen und die damit verbundenen hohen Transportkosten war Getreide aus Ungarn, Tschechien, Slowakei nur sehr bedingt konkurrenzfähig auf dem Weltmarkt. Transport- und Umschlagskapazitäten begrenzten zusätzlich Ausfuhren aus Zentraleuropa.
Im Wirtschaftsjahr 2006/2007 werden die hohen Bestände in den öffentlichen Lagern der neuen Mitgliedsstaaten mit der heurigen Ernte die Vermarktung wesentlich beeinflussen.
Nach letzter Schätzung wird die Ernte 2006 mengenmäßig unter 250 Mio. t betragen und somit die Ergebnisse der Vorjahresernte nicht erreichen. Die Prognosen werden derzeit in nahezu allen Anbauregionen nach unten revidiert. Trockenheit und extreme Hitze lassen eine mengen- und qualitätsmäßige durchschnittliche Ernte erwarten.
Der geplante Bau von Bioethanolanlagen, die Verkäufe in andere EU-Mitgliedstaaten sowie der steigende Futtermittelbedarf wird die hohen Lagerbestände in Ungarn in den nächsten Jahren reduzieren.
Zusammen mit den Beständen von etwa 60 Mio. t und Importen von etwa 10 Mio. t dürfte das Gesamtangebot an Getreide in der EU 2006/2007 mit ca. 320 Mio. t über dem des Vorjahres liegen.
Auf den Weltmärkten wird für 2006/2007 nach anfänglich hoher Ernteprognosen diese wesentlich nach unten korrigiert. So schätzt das US-Landwirtschaftsministerium die Weizenmenge auf 600 Mio. t (im Vorjahr 622 Mio. t). Dem steht ein Verbrauch von 616 Mio. t (Vorjahr 628 Mio. t) gegenüber, sodass es erneut zu einem Abbau der Weltvorräte und zwar auf 128 Mio. t (im Vorjahr 144 Mio. t) kommen wird, somit erreichen die Lagerstände das niedrigste Niveau seit 25 Jahren. Die Weltgetreideproduktion wird zur Zeit auf ca. 1,58 Mrd. t (-1 % gegenüber dem Vorjahr) geschätzt und somit unter dem weltweiten Verbrauch liegen.
Die Preisnotierungen auf den internationalen Märkten lagen Ende Juni 2006 bei Soft Red Winter 2 bei rund 144,- US Dollar/t, bei Hard Red Winter 2 bei rund 213,- US Dollar/t und bei Mais YC 3 bei rund 109,- US Dollar/t und somit höher als im Vorjahr.
Der Getreideeinsatz (insbesondere Mais) im Energiesektor wird Prognosen zufolge in den nächsten Jahren stark ansteigen und somit eine Verwertungsmöglichkeit für regionale Überschüsse darstellen. Aufgrund des zukünftigen Wettbewerbs zwischen Biotreibstoffen und dem Lebens- und Futtermittelsektor erwarten Experten steigende Rohstoffpreise auf dem Weltmarkt.
Grafiken und Tabellen
Foto von der Pressekonferenz
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Agrarmarkt AustriaChristian Gessl
Abteilungsleiter Marktordnungen, Markt- und Preisberichte
Telefon: 01/33 151-208
Fax: 01/33 151-4469
E-Mail: abteilung3@ama.gv.at
Agrarmarkt Austria
Harald Waitschacher
Öffentlichkeitsarbeit & Assistent des Vorstandes
Telefon: 01/33 151-212
Fax: 01/33 151-299
E-Mail: harald.waitschacher@ama.gv.at

