26.09.2012: Schulmilchaktion in Österreich
Die Ursprünge der Schulmilchaktion in Österreich:

In Österreich reicht die Schulmilchaktion bereits mehr als 80 Jahre zurück. In Österreich wurde im Jahr 1930 in Wien eine Schulmilch-Aktion ins Leben gerufen, die zunächst auf private Gebefreudigkeit angewiesen war, auf Spendenbasis.
Nach 1945 unterstützten das Sozialministerium, die so genannte "Ausspeisungsaktion", das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen und schließlich der Milchwirtschaftsfonds und die ÖMIG die Versorgung der Kinder in Schulen und Kindergärten. In den Jahren 1948/49 stellte das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen dem österreichischen Staat Lebensmittel – vor allem Magermilchpulver – zur Verfügung. Etwa 25.000 Schüler bezogen damals im gesamten Bundesgebiet Milch in Flaschen zu einem Viertel Liter. 1952/53 – wurde versuchsweise eine national geförderte Schulmilchaktion eingeführt. 1954 wurden mit dieser Aktion 160.000 Schüler (von 800.000) täglich beliefert, mit insgesamt 6.152 t.
„Schulmilchverbilligungsaktion“ in Zeiten nach der Schaffung des Milchwirtschaftsfonds:
Beginnend mit den 1950er Jahren, im Interesse der Förderung der Schulmilchverbilligungsaktion haben der Bund, der Milchwirtschaftsfonds und die Österreichische Milchinformationsgesellschaft (ÖMIG) bedeutende Geldmittel für die Schulmilchaktion zur Verfügung gestellt.
Um das Schuljahr 1978/79 als Beispiel zu nennen: Es wurden 815.000 Anmeldeformulare für die Teilnahme an der Schulmilchaktion über die Bearbeitungs- und Verarbeitungsbetriebe den Schulen zur Verteilung an die Schüler zur Verfügung gestellt. Die Produktpalette umfasste die Schulmilch mit 3,6 % Fettgehalt, Schulkakao mit 1 % Fettgehalt, Schul-Fruchtjoghurt in Bechern mit 3,2 % Fettgehalt und Malzkaffee-Milch mit 1 % Fettgehalt. Im Jahr 1978 wurden 17.199 Tonnen Schulmilch an die Schulen geliefert.
Für die Prämierung jener Schulen, die eine hohe Beteiligung an der Schulmilchaktion aufwiesen, haben der Milchwirtschaftsfonds und die Österreichische Milchinformationsgesellschaft je 200.000,– Schilling, bereitgestellt.
Der Milchwirtschaftsfonds hat die Schulmilchverbilligungsaktion sogar gegen die Kritik des Österreichischen Rechnungshofs tapfer verteidigt. Der Rechnungshof hat angesichts der hohen Stützungen durch den Milchwirtschaftsfonds verlangt, dass die Preise für die Schulmilch anzuheben seien.
Die überaus große Bedeutung der Schulmilchverbilligungsaktion für die Jugend und die Leitfunktion, die der Schulmilch zukommt, wurde an der Haltung der Öffentlichkeit bei der Neugestaltung der Preise 1989 für Schulmilch deutlich. Die Erhöhung des Preises bei Schulkakao von Schilling 2,50 auf 3,00 pro Packung, bei gleichzeitiger Verbilligung der Schulvollmilch von 2,50 auf 2,00, löste eine österreichweite Protestwelle aus, in derer Folge der Preis für Schulkakao wieder auf das ursprüngliche Niveau gesenkt werden musste. Hintergrundinformation dazu: Naturgemäß war und ist Schulkakao wesentlich beliebter als Schulmilch, in einem Verhältnis von 4 zu 1.
Um 1990 erreichte der Schulmilchabsatz mit über 20.000 t sein Absatzhoch – bedingt u. a. durch höhere Stützungen.
Die ÖMIG – Österreichische Milchinformationsgesellschaft – hat die Schulmilchaktivitäten der einzelnen Molkereien marketingmäßig unterstützt und die fleißigsten Schulmilchtrinker jährlich zum Weltmilchtag prämiert. Zahlreiche Wettbewerbe (Zeichnen, Musik,…) wurden in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Unterricht und Sport organisiert und fächerübergreifend das Thema Milch und Milchwirtschaft im Unterricht behandelt. In zahlreichen Informationsschriften, Elternbriefen und Erlässen wurde auf den Wert der Schulmilch in der Ernährung Jugendlicher hingewiesen. In jeder Molkerei gab es Verkaufsförderer, welche mehrmals im Schuljahr die Schulen besuchten und die Schulmilchverteilung vor Ort mitorganisierten. 1992 wurde rund ein Viertel aller Schüler in Österreich mit 22.359 Tonnen Schulmilchprodukten versorgt. Im Jahre 1980 wurden schließlich mehr als 20 Millionen Liter Schulmilch getrunken. 1989 waren es in Österreich bereits 23 Millionen Liter. Seit 1989 war die Teilnahme des Bundesheeres an der Schulmilchaktion möglich.
1993 begannen die ersten Milchbauern unterstützt von der Landwirtschaftskammer Niederösterreich mit der bäuerlichen Schulmilchproduktion im Rahmen der Direktvermarktung. Das Engagement, die Professionalität und die Verlässlichkeit der regionalen Schulmilchbauern haben sich bewährt, und wir würdigten diese zum Jubiläumsjahr 2010.
Schulmilchaktion nach der Aufnahme Österreichs in die Europäische Union 1995:
Das europäische Schulmilchprogramm fördert den Verzehr von Milchprodukten bei Kindern. Das Programm soll gesunde Ernährung sowohl praktisch als auch pädagogisch vermitteln und trägt damit zum Kampf gegen Fettleibigkeit bei Kindern bei. Durch das Schulmilchprogramm sollen Kinder mit Qualitätsprodukten versorgt, eine gesündere Art zu leben gefördert und das Wissen im Bereich Ernährung gesteigert werden.
Das Schulmilchprogramm ist durch die Verordnung (EG) Nr. 657/2008 der Kommission vom 10. Juli 2008 mit Durchführungsvorschriften zur Verordnung (EG) Nr. 1234/2007 des Rates hinsichtlich der Gewährung einer Gemeinschaftsbeihilfe für die Abgabe von Milch und bestimmten Milcherzeugnissen an Schüler in Schulen gemeinschaftlich geregelt.
Seit 1995 beteiligt sich Österreich am Europäischen Schulmilchprogramm. Unmittelbar nach der Übernahme der EU-Schulmilchregelung wurde ein massiver Rückgang der Schulmilch beobachtet. Grund dafür war vor allem die Abschaffung des Preisausgleichssystems und des Transportausgleichs-systems des Milchwirtschaftsfonds.
Die Strukturveränderungen in der österreichischen Molkereiwirtschaft in Verbindung mit der Reduzierung der Schulmilchreferenten, der Abschaffung des Preisausgleichs-Systems und der Zustellung der Milchprodukte durch Logistikunternehmen bewirkten in den Folgejahren einen starken Rückgang bis zum teilweisen Stillstand der Versorgung durch Molkereien.
Bei den zahlreichen Umstrukturierungsmaßnahmen im Molkereisektor kam es nach der Auflösung der bundesweit tätigen Milchfrischfirma zu Versorgungsschwierigkeiten. In dieser Zeit suchten sich viele Gasthäuser, Krankenanstalten und andere Großabnehmer verlässliche Direktvermarkter aus der Region. Auch die Schulmilchversorgung durch die Molkereien wurde aus ökonomischen Überlegungen eingestellt. In dieser Phase füllten ebenfalls Direktvermarkter das Vakuum und erfüllten die Wünsche der Kunden in den Regionen. Da in der österreichischen Rohmilchverordnung die Belieferung von Schulen und Kindergärten mit Rohmilch verboten wurde – auch auf Initiative der Milchbauern und der Interessenvertretung selbst – wurden Pasteurisierungsanlagen angekauft und in Hofmolkereien investiert. So konnten sich die Direktvermarkter kontinuierlich weiterentwickeln, den Markt bearbeiten und die Technik bzw. Mechanisierung im Direktvermarktungsbereich gemeinsam mit Firmen vorantreiben.
Im Jahre 2011 wurden 3.096 Schulen und Kindergärten von 79 Schulmilchbauern, 4 Molkereien und 3 Handelsfirmen beliefert. Jährliche Hygieneschulungen und Unterstützung bei Marketingmaßnahmen sowie die EU-Schulmilchbeihilfe fördern diese für die Gesellschaft und Milchwirtschaft so wichtige Aktion, die im Jahre 2010 ihr 80-jähriges Jubiläum feierte. Hygiene, Qualitätssicherung, Eigenkontrollen, Produktuntersuchungen und Produktionskontrollen werden bei den Schulmilchbauern natürlich sehr groß geschrieben.
30 % der Bauern liefern die Schulmilchprodukte in der braunen Milchflasche, der Rest in anderen Gebinden wie zum Beispiel in den kompostierbaren Polylaktatbecher. In jedem Fall werden die Leergebinde zurückgenommen und entsorgt bzw. einer Wiederverwertung zugeführt.
Immer beliebter wird der Verkauf der Schulmilchprodukte über den Automaten, vor allem in den höheren Schulen. Auch das Bestell- und Verrechnungswesen in den Schulen wird zeitgemäß immer häufiger über ein Internet-Bestell- und Verrechnungsportal abgewickelt.
Die Agrarmarkt Austria Marketing G.m.b.H. hat in Zusammenarbeit mit der Landwirtschaftskammer eine Schulmilchhomepage erstellt: www.rund-um-schulmilch.at, die interessante Informationen sowohl für Lehrer, Schüler, als auch für die Presse bereit hält.
Die Leistung der Schulmilchlieferanten:
(Quelle: Beitrag aus dem kürzlich erschienen Buch „Ein Streifzug durch die österreichische Milchwirtschaft“)
Den regelmäßigen Konsum von Milch und Milchprodukten als Baustein gesunder Ernährung nachhaltig zu fördern, ist ein Anliegen der Gesundheitserziehung. Die Schulmilchlieferanten leisten mit der täglichen Versorgung mit Schulmilchprodukten einen wertvollen Beitrag zur Förderung der Volksgesundheit. Milch und Milchprodukte tragen wesentlich zu einer ausreichenden Calciumversorgung bei und haben eine hohe Bedeutung für den Aufbau und Erhalt von Knochen und Zähnen. Das Eiweiß der Milch ist hochwertig und gut verdaulich. Milchfett enthält u. a. kurzkettige Fettsäuren, die sehr schnell abbaubar sind. Auch der Vitamingehalt der Milch sowie Mineralstoffe und Spurenelemente sind nicht zu unterschätzen. Die Leistungskurve der Schüler kann nach der Pause um 10.00 Uhr wesentlich verbessert werden, wenn eine vollwertige Pausenverpflegung (Milchprodukt, Obst/Gemüse, Brot/Gebäck) geboten wird. Deshalb ist die Zufuhr von energiereicher Nahrung zum richtigen Zeitpunkt so bedeutungsvoll.
Grundsätzlich soll die Organisation der Schulmilchaktion in den einzelnen Schulen in Übereinstimmung von Schulleiter, Lehrerinnen und Lehrern und den jeweiligen Gremien der Schulpartnerschaft mit der zuständigen Vertriebsorganisation erfolgen. Die optimale Trinktemperatur liegt bei
12 bis 15 Grad Celsius. Es ist darauf zu achten, dass den Kindern genügend Zeit zum Verzehr der Milchprodukte eingeräumt wird. Auf jeden Fall sollte die Möglichkeit bestehen, in den darauf folgenden Pausen allfällige Reste zu verzehren. Sowohl Pfandflasche als auch Kartonverpackungen sollten vollständig entleert werden. Entsprechende Informationen über Bestellung, Emballagen, Abrechnung, Zuständigkeit, etc. seitens der Schulmilchlieferanten sind zu beachten. Viele Kinder kommen in die Schule, ohne vorher gefrühstückt zu haben. Für sie ist eine vollwertige Pausenverpflegung besonders wichtig. Ein Schulmilchprodukt ergänzt durch Brot und Gebäck sowie Obst oder Gemüse, ergibt eine ideale Kombination. Eine gesunde Jause sollte genauso selbstverständlich sein, wie die tägliche Hausaufgabe und sonstige Leistungen, die Schülerinnen und Schüler zu erbringen haben.
Schulmilch vom Bauern – ein erfolgreiches Projekt der Nahversorgung:
(Quelle: Beitrag aus dem kürzlich erschienen Buch „Ein Streifzug durch die österreichische Milchwirtschaft“)
1993 begannen die ersten Milchbauern im Rahmen der Direktvermarktung Schulen und Kindergärten täglich mit frischen, pasteurisierten Produkten aus der Region zu versorgen. In den Folgejahren wuchs die Familie der bäuerlichen Schulmilchlieferanten auf 105 in ganz Österreich an. Ausgehend von Niederösterreich haben sich die gegründeten "Interessen- und Arbeitsgemeinschaften bäuerlicher Schulmilchlieferanten" in den Bundesländern die flächendeckende Versorgung mit Schulmilch zum ehrgeizigen Ziel gemacht.
Die Landwirtschaftskammern in den Bundesländern übernahmen die Information, Beratung, Betreuung und Hilfestellung bei Marketingmaßnahmen. In zahlreichen Schulmilchtagungen, Workshops, Produktverkostungen, Betriebsbesichtigungen, Hygieneschulungen und Qualitätsmanagementseminaren ist es gelungen, den Anteil der bäuerlichen Schulmilchbelieferung auf über 85 % zu steigern.
Die Bemühungen und der Erfolg gipfelten schließlich 2001 damit, dass das Projekt "Bäuerliche Schulmilchlieferanten" in Wieselburg mit dem Agrarprojektpreis ausgezeichnet wurde. In über 3.260 Schulen und Kindergärten können rund 250.000 Kinder in der Schulzeit täglich geförderte Schulmilch konsumieren. Waren es in den ersten Jahren eher Milch, Kakao und Erdbeermilch, so sind mit den Jahren zahlreiche Spezialitäten wie Vanillemilch, Bananenmilch, Eiskaffee, Trinkjoghurt, Joghurt, u. a. hinzugekommen. Durch Präsentationen in Schulen und Kostproben konnten in den letzten Jahren viele Schulen wieder von der Schulmilch überzeugt werden. Auch zahlreiche Kindergärten haben den verlässlichen Service durch den regionalen Milchbauern schätzen gelernt.
Möchte ein Schulmilchlieferant die Förderung in Anspruch nehmen, ist er an festgelegte Höchstpreise gebunden. So wird sichergestellt, dass die EU-Unterstützung auch wirklich den Kindern zugutekommt. Auch für Bioprodukte und Gebindegröße von 200 ml und 180 ml sind eigene Preise festgelegt. Die Bestellungen und das Inkasso werden in der Regel von Schulmilchverteilern in Schulen wahrgenommen. Die Gebinde (Flaschen oder Becher) werden vom Schulmilchbauern bei der nächsten Lieferung zurückgenommen, sodass der Schule und dem Kindergarten kein Müll bzw. keine Reinigungs- und Entsorgungsarbeit zufällt.
Die Schüler können im Herbst und gegen Schulschluss im Zuge von Lehrausgängen ihren Schulmilchbauernhof kennen lernen. Viele Lieferanten bieten Aktionstage, Tage der offenen Tür rund um den Weltmilchtag (1. Juni jeden Jahres) an. Bei diesen Erlebnistagen können die Kinder den Schulmilchbauernhof mit allen Sinnen kennen lernen. Besonders geschätzt wird die Vielfalt an Produkten, die Frische, die Qualität, sowie die Flexibilität und Kontaktfreudigkeit der Milchbauern. Jährlich am letzten Mittwoch im September ist Weltschulmilchtag.
Schulmilchaktion EU-weit:
Das Schulmilchprogramm wurde vor 4 Jahren von der Europäischen Kommission überarbeitet. Dabei wurde auf Anfragen und Vorschlägen der Mitgliedsstaaten, des Europäischen Parlamentes und des Rates der Europäischen Union eingegangen. Mit der Überarbeitung des Programms wird eine Reihe neuer, innovativer und attraktiverer Erzeugnisse durch EU-Subventionen gefördert. Neben verschiedenen Arten von Trinkmilch und Käsen enthält das Angebot unter anderem nun auch bestimmte Erzeugnisse aus fermentierter Milch mit Frucht- bzw. Saftzusatz (Fruchtjoghurt). Die EU-Subventionen sind darüber hinaus für Vollfettprodukte, teilentrahmte sowie fettarme Erzeugnisse identisch. Die Mitgliedsstaaten können die zu verteilenden Produkte frei aus der Liste der förderwürdigen Erzeugnisse auswählen. Sie haben außerdem die Möglichkeit, höhere Anforderungen als die EU-Liste zu stellen. Dank dieser Regelung bekommen auch weiterführende Schulen denselben Zugang zu den Programmen wie Grundschulen, Kindergärten und Vorschulen. In der Vergangenheit haben sie nicht immer an den Schulmilchprogrammen teilgenommen, da ihre Beteiligung für die Mitgliedstaaten nicht verpflichtend war. Im Schuljahr 2010/2011 wurden 298.000 Tonnen Milch mit gemeinschaftlichen Aufwendungen in Höhe von 65 Millionen EUR in den Schulen von 26 Mitgliedsstaaten verteilt. Dank der neuen und vereinfachten Bestimmungen sowie der neuen und attraktiveren Erzeugnisse im Angebot wird erwartet, dass in Zukunft noch mehr Schulen an der Verteilung von Milchprodukten teilnehmen werden. Kindern soll dadurch die Möglichkeit gegeben werden, Nahrung und Getränke von geringem Nährwert durch gesündere und qualitativ hochwertigere Milchprodukte zu ersetzen.

