News vom 18.8.2004
Presseaussendung
Klima begünstigt eine gute Getreideernte
Getreidemarkt 2004 in Österreich
(Wien, 18. August 2004, AMA) „Die Getreidebauern sind Österreichweit mit den heurigen Hektarerträgen zufrieden. Zwar hat sich die Ernte, durch den spät eingesetzten Sommer um drei Wochen verschoben, dafür konnte das Getreide in zufriedenstellender Menge und in guter Qualität eingefahren werden. Die im Frühjahr erstellte Prognose hat sich damit bestätigt. Nach den beiden Dürrejahren ist das Ertragsniveau um etwa 25 % auf ca. 4,9 Mio. t Gesamterntemenge (inkl. Mais) gegenüber der trockenheitsbedingt niedrigen Vorjahresernte gestiegen.“, zog Dipl.-Ing. Werner Weihs, Vorstandsmitglied der Agrarmarkt Austria (AMA), Bilanz über ein für Österreichs Getreidebauern gutes Erntejahr.Anbaubedingungen und Flächenveränderungen
„Nach dem Jahrhundertsommer 2003 mit extremer Trockenheit und Hitze sind zu Beginn des Herbstanbaues ab Mitte September genügend Niederschläge gefallen, sodass die Saatbeetvorbereitungen und die Saat unter günstigen Voraussetzungen durchgeführt werden konnte. Ein milder Herbst ermöglichte auch die Aussaat von Weizen bis in den November hinein, sodass die Weichweizenfläche mit ca. 266.000 ha das Normalausmaß für 2004 erreichte. Flächenmäßig kann man die Weichweizenfläche mit der Gesamtfläche von Vorarlberg gleichsetzen. Die Flächenausweitung bei Weizen führte im Zuge des Frühjahrsanbaues bei der Sommergerstenfläche zu einer Reduktion um ca. 27.000 ha auf ca. 111.000 ha. Auch die Rapsfläche verminderte sich wieder aufgrund der beiden letzten ertragsschwachen Jahre. Kulturen wie Wintergerste, Hartweizen und Mais sind 2004 ohne große Flächenveränderungen gegenüber den letzten Jahren ausgesät worden. Die Gesamtgetreideerntefläche ist vergleichbar mit der Fläche des Bundeslandes Salzburg und beträgt knapp 700.000 ha.“, gab Präsident Hautzinger, Vorsitzender des Fachbeirates für Getreide der AMA, einen Überblick über die einzelnen Kulturen.
Überblick über die einzelnen Getreidesorten
Hartweizen
Die Durumfläche wurde ausgeweitet und beträgt im Jahr 2004 ca. 17.500 ha. Immer mehr an Bedeutung gewinnt in Österreich der Anbau von Winterdurum, der im heurigen Jahr besonders gute Bedingungen vorfand und Erträge bis zu 60 dt/ha brachte. Auch beim Sommerdurum wurden hohe Erträge bis zur gleichen Höhe geerntet. Durch die idealen Bedingungen vor und während der Ernte hat der Durumweizen heuer eine überdurchschnittlich gute Qualität (Glasigkeit!)
Weichweizen
Auf Österreichs Feldern sind im Jahr 2004 auf ca. 266.000 ha Rekorderträge mit vereinzelten Spitzenwerten von über 75 dt/ha erzielt worden. Die Sortenwahl, die Vorfrucht und die Bodenbonität waren hier wichtige Faktoren für diese überdurchschnittlichen Ernteergebnisse. Der durchschnittliche Hektarertrag von über 60 dt/ha wird für die Vermarktung sicher mit Problemen begleitet sein. Proteinwerte bewegen sich hauptsächlich im Mahlweizenbereich zwischen 12,5 und 13,9 %. Österreichweit schätzt man, dass durchschnittlich 25 % der Weizenernte im Bereich des Qualitätsweizenbereiches mit über 14 % Protein liegt und die Ausbeute an Premiumweizen mit über 15 % Protein im heurigen Jahr eine untergeordnete Rolle spielt. In Oberösterreich wurden Spitzenerträgen mit Proteinwerten von 12,0 bis 12,5 % erreicht. Die Werte für die Hektolitergewichte und die Fallzahl sind zufriedenstellend. Durch das verstärkte Angebot aus den Nachbarstaaten werden am Markt die inländischen Mahlweizenmengen schwer abzusetzen sein, sodass mit Interventionsmengen zu rechnen ist.
Roggen
Die Roggenanbaufläche ist ebenso wie bei Weichweizen wieder auf den Normalwert von ca. 45.000 ha angehoben worden. Hier wurden ebenfalls überdurchschnittliche Hektarerträge erzielt, der pannonische Raum vermeldete teilweise Rekordergebnisse von bis zu 60 dt/ha. Die Qualitäten erfüllen die Anforderungen der Müllereien durchaus, Spitzenwerte von über 1.000 Amylogramm-Einheiten sind keine Seltenheit. Im Waldviertel, dem Hauptanbaugebiet für Roggen, wurde nach aktuellen Informationen erst mit der Ernte begonnen.
Wintergerste
Auch bei Wintergerste wurde die Anbaufläche leicht vergrößert. Bei knapp 80.000 ha sind bei dieser Kulturart gegenüber den beiden letzten Jahren überaus zufriedenstellende Hektarerträge eingefahren worden. Bis zu 65 dt/ha konnten auch auf schwächeren sandigen Böden erreicht werden, die Kornsortierung und Hektolitergewichte über 65 kg runden das Ergebnis positiv ab. Das mengenmäßige Überangebot an Futtergetreide wird hier höchstwahrscheinlich zu weiteren Interventionseinlagerungen führen.
Sommergerste (Braugerste)
Hier gab es flächenmäßig den größten Einbruch gegenüber dem Vorjahr. Gründe dafür sind die nicht unbedingt zufriedenstellenden Erträge und Erzeugerpreise der letzten Jahre sowie die optimalen Verhältnisse zum Herbstanbau für andere Kulturarten. Auffallend bei Braugerstenanlieferungen war meist der niedrige Proteingehalt von oft unter 10 %, die Siebungen lagen zur Gänze im Bereich von über 80 % Braugerstenanteil. Die Erntemengen werden den Bedarf der heimischen Brauindustrie übersteigen, da auch bei Sommergerste Hektarerträge bis zu 60 dt/ha erzielt worden sind.
Ölsaaten und Eiweißpflanzen
Ölraps
Mit der erneuten Verringerung der Anbaufläche wurde der Trend der letzten Jahre fortgesetzt. Hervorgerufen durch die überaus schwachen Erträge des Vorjahres und die keineswegs optimalen Bedingungen zum Rapsanbau im Sommer 2003 führte dazu, dass Ölraps nur mehr auf knapp über 30.000 ha steht. Mit Ausnahme des Weinviertels haben die Bestände den Winter gut überstanden, gegenüber dem letzten Jahr konnte die Schneedecke ein Ausfrieren der Bestände verhindern. Die bereits erwähnten guten Wuchsbedingungen im Frühjahr führten auch beim Raps dazu, dass hier Spitzenerträge bis zu 40 dt/ha und mehr erzielt wurden. Mit guter Bestandsführung und entsprechender Schädlingsbekämpfung konnte Raps auch auf Standorten mit geringerer Bodenbonität überdurchschnittliche Erträge erzielen. Die heurigen Ergebnisse lassen Hoffnung aufkommen, dass Raps wieder vermehrt ausgesät werden könnte.
Körnererbse
Eine leicht reduzierte Anbaufläche ist feststellbar und beträgt heuer 39.100 ha. Wie bei allen anderen Kulturen haben die Erträge bei Körnererbse zufriedenstellende Ergebnisse gebracht. Gebietsweise wurde zwar ein starker Befallsdruck durch die Blattlaus festgestellt. Nur bei entsprechenden Behandlungsmaßnahmen konnte der Schaden eingedämmt werden. Erträge von über 40 dt/ha wurden bei Körnererbse seit vielen Jahren nicht mehr geerntet. In Oberösterreich konnten diese guten Erbsenerträge allerdings nicht bestätigt werden.
Getreidemarktsituation in der EU
Wirtschaftsjahr 2003/2004
Die Getreideernte 2003 (EU 15) belief sich auf insgesamt 185,5 Mio. t und lag somit um rund 11 % hinter der Ernte 2002. Die große Trockenheit in Europa hat zu diesem schwachen Produktionsergebnis geführt.
Der Gesamtverbrauch in der EU 15 bewegte sich um 184,5 Mio. t (Hof- und Marktverbrauch). Laut der letztveröffentlichten Getreide-EU-Außenhandelsstatistik lagen die Importe von 01.07.2003 – 30.06.2004 bei rund 13 Mio. t und die Getreideexporte bei rund 14 Mio. t. Zum Vergleich wurden im Wirtschaftjahr 2002/2003 16. Mio. t importiert und rund 26 Mio. t. exportiert. Die Drittlandsexporte auf dem Freien Markt mit Erstattung sind seit dem Vorjahr ausgesetzt.
Die Interventionsbestände beliefen sich EU-weit zu Beginn des Wirtschaftsjahres 2003/2004 auf insgesamt 7,2 Mio. t Getreide. Im Laufe des Getreidewirtschaftsjahres wurde dieser Bestand auf 3,6 Mio. t reduziert, wovon Roggen den Hauptanteil von rund 3,3 Mio. t einnimmt.
Zu den Preisen kann angemerkt werden, dass für Ende Juni 2004 die Notierungen für Soft Red Winter 2 bei 138,60 US $/t, für Hard Red Winter 2 bei 154,90 US $/t und für Mais YC3 (Mais) bei 119 US $/t gelegen sind und lagen damit durchwegs höher als im Jahr davor.
Wirtschaftsjahr 2004/2005
Nach Schätzungen von Brüssel wird für das heurige Jahr in der EU 25 eine Getreideernte von rund 270 Mio. t erwartet. Dies zeigt gegenüber dem Vorjahr eine wesentliche Produktionssteigerung von rund 18 %, wobei die Weichweizenernte mit rund 120 Mio. t eingeschätzt wird. Mit einem derzeitigen Gesamtanfangsbestand aus der Vorjahresernte von geschätzten 40,6 Mio. t stehen ab nun rund 311 Mio. t Getreide der EU 25 zum Verbrauch zur Verfügung. Laut einer vorläufigen Getreidebilanz der Kommission werden 242 Mio. t Getreide zum Verbrauch benötigt. Die verbleibende Menge sollte in Exporten ihren Absatz finden. Aufgrund des schwachen Dollars bzw. wegen der sehr hohen Ernteergebnisse der Schwarzmeerstaaten wird es schwierig sein in Drittländer die EU-Überschusse abzusetzen. Es ist davon auszugehen, dass die EU-Kommission bis auf weiteres keine Exportstützungen gewährt. Aus diesem Grund werden die Interventionsmengen vermutlich wieder ansteigen. Mit Markt- und Preisdruck und somit mit Interventionseinlagerungen ist zu rechnen.
In Ungarn ist die Weizenernte großteils eingebracht; hervorragende Erträge um 6.000 kg/ha (Spitzenerträge auch darüber). Im Durchschnitt wird mit etwa 5.500 kg/ha gerechnet. Die Weizenanbaufläche beträgt 1,1 Mio. ha. Das könnte eine Gesamtweizenernte von zwischen 5,5 bis 5,8 Mio. t ergeben (Vorjahr 2,9 Mio. t).
Hinsichtlich Qualität dürfte die Ernte ebenfalls zufriedenstellend sein. Die Proteingehalte liegen zwischen 13 bis 14 %. Die Erzeugerpreise bei Brotweizen bewegen sich um € 85,00 bis 90,00/t und bei Futterweizen um € 76,00/t.
Die Weizenernte kann laut Informationen problemlos gelagert werden. Schwierigkeiten könnte es aber mit der ebenfalls zu erwartenden Rekordernte bei Mais geben.
Die Exportmengen aus Ungarn werden derzeit auf etwa 3 Mio. t Weizen und 2 Mio. t Mais geschätzt.
Die Getreideernte 2004 (ohne Mais) in Tschechien wird sehr gut ausfallen. Das Ausmaß könnte ca. 6,9 Mio. t (Vorjahr 5,5 Mio. t) erreichen und liegt somit um 30 % höher als im Vorjahr. Die Erträge fallen hoch aus, teilweise Spitzenerträge.
Die Erzeugerpreise für Mahlweizen bewegen sich um € 100,00/t und für Futtergerste um € 87,00 bis 90,00/t.
Bei guten Ergebnissen im Ertrag und Qualität erwartet Polen eine Getreideernte von 25 Mio. t Die Erzeugerpreise liegen bei Mahlweizen um € 90,00 bis 100,00/t und bei Futtergerste um € 86,00 bis 96,00/t.
In der Slowakei schätzten Experten einen Zuwachs in Höhe von rund 50 % gegenüber dem Vorjahr auf ca. 3 Mio. t.
Getreidemarktsituation am Weltmarkt
Weltweit wird mit einer Produktionssteigerung von rund 6 % gerechnet. Die heurige Ernte wird derzeit auf 1,5 Mrd. t geschätzt. Die Weizenerzeugung wird rund 600 Mio. t betragen und mit 8,5 % das Vorjahresergebnis übertreffen. Die Endbestände werden sich wie in den letzten zwei Jahren jedoch verringern.
Die Ernte für Ölsaaten wird mit ca. 380 Mio. t als sehr gut eingeschätzt.
Rumänien erwartet sehr gute Ernteergebnisse bei Mais und bei Weizen. Bei Mais in der Höhe von 7,5 Mio. t mit einem Exportanteil von ca. 800.000 t während bei einem Ernteaufkommen von geschätzten 4 Mio. t Weizen zumindest 200.000 t exportiert werden könnten.
In Bulgarien beträgt die Weizenernte rund 2 Mio. t. Exportmöglichkeiten in der Höhe von bis zu 700.000 t sind zu erwarten.
Bei einer erwarteten Getreideerntemenge von ca. 40 Mio. t wird die Ukraine in der Lage sein, ca. 10 Mio. t zu exportieren (davon rund 4 – 5 Mio. t Weizen).
In Kasachstan werden die Exporte auf 5 Mio. t Weizen geschätzt.
Grafiken, Tabellen und Fotos zum Downloaden
Factsheets
Getreideflächen, Öl- und Eiweißpflanzen, durchschn. Hektarerträge, Großhandelsabgabepreise, EU-Getreideexporte und -importe
Tabelle 1
Getreideproduktion in Österreich, Erzeugerpreis (in EUR/T), Getreideflächen in Österreich, Durchschnittliche Großhandelsabgabepreise
Tabelle 2
Getreidebilanz 2003/2004 - EU 15, Vorläufige Getreidebilanz 2004/2005 - EU 25, Aussichten am Getreidemarkt in der EU 25
Tabelle 3
Getreidepreisentwicklung am Weltmarkt - Vergleich 2000 - 2004, Angebots-/Nachfrageentwicklung am Welt-Getreidemarkt
Rückfragehinweis:
Agrarmarkt Austria
Christian Gessl
Abteilungsleiter Marktordnungen, Markt- und Preisberichte
Telefon: 01/33 151-208
Fax: 01/33 151-4469
E-Mail: abteilung3@ama.gv.at
Agrarmarkt Austria
DI Martina Mayerhofer
Öffentlichkeitsarbeit
Telefon: 01/33 151-3935
Fax: 01/33 151-299
E-Mail: martina.mayerhofer@ama.gv.at

