Landschaftselemente deren Bedeutung, Digitalisierung und Abgeltung

Digitalisierung von Landschaftselementen (LSE)

Österreichs Kulturlandschaften – geprägt von bäuerlichen Familienbetrieben – zeichnen sich besonders durch ihre kleinteilige und vielfältige Struktur aus. Insbesondere der hohe Anteil an Landschaftselementen (LSE) trägt dazu bei, dass Österreich einer Vielzahl unterschiedlicher Tiere und Pflanzen als Lebensraum dient, die auch für die Landwirtschaft von zentraler Bedeutung sind (Biodiversität, Bestäubung, Nützlinge). Gleichzeitig wird die strukturreiche Landschaft auf Grund ihrer Vielfältigkeit als ästhetisch wahrgenommen und bietet einen hohen Erholungswert, der wiederum dem Tourismus zuträglich ist. Darüber hinaus erfüllen LSE weitere wichtige Funktionen, unter anderem den Schutz vor Wind und Wasser oder die Filterung von Feinstaub aus der Luft. Sie beeinflussen das Mikroklima und schaffen ökologische Nischen. Weil Landschaftselemente prägende Strukturen unserer Landschaft darstellen und eine Vielzahl ökologischer und anderer Funktionen erfüllen, kommt ihrer Erhaltung und Pflege große Bedeutung zu.


Die Landwirtschaftspolitik beachtet den Wert der Landschaftselemente, sie sind Bestandteil der Cross-Compliance- und GLÖZ-Bestimmungen. Als GLÖZ-LSE sind in Österreich derzeit Naturdenkmale definiert. Diese sind bereits seit dem Jahr 2011 digital erfasst und im Rahmen der Einheitlichen Betriebsprämie förderbar. Nach derzeitigem Wissensstand werden bestimmte LSE als ökologischen Ausgleichsflächen für das „Greening“ bei der zukünftigen Einheitlichen Betriebsprämie von Bedeutung sein. Die Erhaltung von LSE und der naturverträgliche Umgang mit ihnen sind seit 1995 zentrale Themen in den österreichischen Agrarumweltprogrammen und werden auch wichtige Schwerpunkte des ÖPUL ab 2015 sein. Konkret sollen LSE im neuen „Programm für die ländliche Entwicklung in Österreich“ im Rahmen der ÖPUL Maßnahmen „Umweltgerechte und biodiversitätsfördernde Bewirtschaftung“ (UBB) und „Biologische Wirtschaftsweise“ (Bio) geschützt werden. Die Abgeltung der Erhaltung und Pflege von LSE erfolgt im neuen Agrarumweltprogramm nicht mehr pauschal, sondern zielgerichtet nach deren Ausmaß bzw. Anzahl, wodurch eine adäquate Unterstützung der Bäuerinnen und Bauern für den durch die LSE entstehenden Mehraufwand sichergestellt wird. Da die Maßnahmen UBB und Bio Einstiegsvoraussetzungen für einige andere ÖPUL-Maßnahmen darstellen, wird mit der Umsetzung des neuen Agrarumweltprogramms eine großflächige Erhaltung von LSE gewährleistet.
Im Sinne aller steuerzahlenden Bürgerinnen und Bürger Österreichs und der EU sind die Zahlungen für die Ländliche Entwicklung zu dokumentieren und zu kontrollieren. Seitens der EU-Verwaltung wurde zu diesem Zweck die digitale Erfassung aller Land-schaftselemente vorgeschrieben. Im Rahmen von Agrarumweltprogrammen kann ab 2015 auf die Ausstattung der Flächen eines Betriebes mit Landschaftselementen besser eingegangen werden und es sind die damit erbrachten Leistungen der antragstellenden LandwirtInnen und Landwirte angemessener und zielgerichteter abgeltbar.

Die österreichweite Erstdigitalisierung von Landschaftselementen wurde nach Beauftragung durch das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft (BMFLUW) in der Agrarmarkt Austria (AMA) durchgeführt. Im Sinne einer effizienten technischen Umsetzung wurden dabei sieben verschiedene Typen von Landschaftselementen definiert. Dabei handelt es sich ausschließlich um Elemente, die auf dem Luftbild (Hofkarte) erkennbar sind.

Typen von Landschaftselementen

  • 1 Bäume/Büsche
  • 2 Hecken/Ufergehölze
  • 3 Gräben/Uferrandstreifen
  • 4 Feldgehölze/Baum-/Gebüschgruppen
  • 5 Raine/Böschungen/Trockensteinmauern
  • 6 Steinriegel/Steinhage
  • 7 Teiche/Tümpel
Die digitale Erfassung erfolgte mit Bezug zu einem Feldstück eines Betriebes: es wurden nur jene Landschaftselemente erfasst, die sich auf oder angrenzend zu einem Feldstück befinden. Landschaftselemente in Hausgärten oder solche, die öffentlichem Gut zuzuordnen sind (z.B. Straßenbegleitvegetation), wurden nicht berücksichtigt. VertreterInnen der Landwirtschaftskammern und der Naturschutzbehörden der Länder sind seit April 2011 im Rahmen einer Arbeitsgruppe in die Diskussion zur Umsetzung der Landschaftselemente-Digitalisierung eingebunden.

Der Abschluss der Erstdigitalisierung ist bereits erfolgt. Derzeit werden die erfassten Daten nochmals geprüft und gewartet (z.B. im Fall neuer Luftbilder oder geänderter Feldstücksbildungen). Die Daten werden auch schon für die gezieltere Planung von Vor-Ort-Kontrollen, so wie für Sachverhaltserhebungen im Rahmen von Verwaltungskontrollen genutzt.

Weitere und spezifischere Informationen über dieses Thema werden in den nächsten Wochen und Monaten laufend erfolgen.