Tagung des Verbandes für ökologisch-tiergerechte Nutztierhaltung

30.09.2015 Die 22. Freiland-Tagung stand ganz unter dem Motto „Für einen besseren Umgang mit (männlichen) Nutztieren

Die Tagung des Verbandes für ökologisch-tiergerechte Nutztierhaltung und gesunde Ernährung war auch gleichzeitig die 28. IGN-Tagung der internationalen Gesellschaft für Nutztierhaltung und stand ganz unter dem Motto „Für einen besseren Umgang mit (männlichen) Nutztieren“. Als Tagungsort diente die Veterinärmedizinische Universität Wien. Die Tagung sollte die Möglichkeit bieten, den wissenschaftlichen Austausch zu pflegen, neue wissenschaftliche Ergebnisse und praxisorientierte Lösungen zu diskutieren. Denn in der ersten Lebenswoche kastrieren wir routinemäßig männliche Ferkel, töten männliche Küken unmittelbar nach dem Schlupf und stufen männliche Ziegenkitze oder auch Kälber von milchbetonten Rinderrassen als Abfall ein. Vor allem unsere gefiederten Freunde standen diesmal im Fokus. Zurzeit werden ca. 40 Millionen männliche Küken in Deutschland nach dem Schlüpfen getötet. Und genau dies ist aktuell ein heißer Diskussionspunkt, denn diese routinemäßige Tötung männlicher Eintagsküken zur Legehennenvermehrung bringt eine ethische, tierschutzrechtliche und gesellschaftspolitische Angriffsfläche mit sich. Im Moment werden diese sogenannten Eintagsküken zur Fütterung in den Zoos verwendet oder auch als „Knabberspaß“ für Hunde verkauft. Der Rest dieser Eintagsküken wird entsorgt. Mit der momentanen Lösung sind jedoch die wenigsten zufrieden. Immer mehr Länder möchten das Kükentöten einstellen. Neben Deutschland und Österreich haben auch Holland, Korea, Israel und Frankreich dieses Interesse bekundet. Deutschland und Holland suchen intensiv nach Lösungsansätzen. In Holland ist die Diskussion über eine so genannte Zweinutzungsrasse komplett vom Tisch, wohingegen andere Länder, unter anderem Deutschland, dieses Ziel weiterverfolgen und dies auch als optimale Lösung angesehen. Wissenschaftler in Holland führten unter anderem auch einige Versuchsreihen mit genmanipulierten Eiern durch, doch dies stieß auf keine Akzeptanz, auch nicht im eigenen Land.

Fr. Dr. Krautwald-Junghanns leitet in Deutschland eine Arbeitsgruppe, die sich mit praxistauglichen Verfahren zur Geschlechtsbestimmung im Ei auseinandersetzen. Dabei zeigten die Forschungsarbeiten auf, dass eine der vielversprechendsten Methoden die IR-Raman-Spektroskopie ist. Ein großer Vorteil bei diesem Verfahren ist zum einem die kontaktlose Untersuchung. Die spektroskopische Geschlechtsbestimmung macht sich die unterschiedliche Größe der Geschlechtschromosomen von männlichen und weiblichen Hühnern zu nutze. Die Eierschalle stellt allerdings eine Barriere dar. Daher wird in diese, durch Einsatz geeigneter CO2- Laser und im Bruchteil einer Sekunde, eine winzig kleine Öffnung geschaffen bzw.es wird nur gerade so viel Material abgetragen, dass ein dünner Steg der Kalkschale noch erhalten bleibt. Damit kann eine strahlungsbedingte Schädigung des Embryos ausgeschlossen werden. Die Untersuchung erfolgt nach dem das Ei ca. 72 – 84 Stunden bebrütet wurde. Auch unbefruchtete Eier werden erkannt und können somit ausgemustert werden. Die Geschlechtsbestimmung dauert gegenwärtig etwa 15 – 20 Sekunden pro Ei. Nach erfolgter Messung muss die Öffnung in der Kalkschale wieder verschlossen werden. Ein weiterer Vorteil dieses Verfahrens ist, da ja kein Material aus dem Ei entnommen wird, entfällt auch die Reinigung und Desinfektion bzw. auch der Ersatz von Geräten oder Geräteteilen nach jeder Messung – somit fallen nur minimale laufende Verbrauchskosten an. Zu Beginn dieser Versuche war man allerdings mit der Schlupfrate nicht zufrieden, doch auch hier konnten bedeutende Fortschritte verzeichnet werden. Bis 2017 soll das Gerät am Markt sein und das Verfahren eben soweit optimiert sein, dass es in der Praxis einsetzbar ist. Ein wichtiger Faktor ist auch noch, dass die Analysen der Eier vor dem 10. Bebrütungstag stattfinden. Dies ist auch allen Beteiligten ein Anliegen, denn der Embryo ist ab dem 10 Tag schmerzempfindlich. Jene Eier die einen männlichen Embryo beinhalten werden einfach nicht weiter bebrütet und somit stirbt der Embryo nach kurzer Zeit ab. Diese Eier könnten als hochwertiges Fischfutter vermarktet werden.

Ein weiterer Themenpunkt war die Nutzung von männlichen Legehybriden zur Mast. In den letzten Jahren wurden verschiedene Studien diesbezüglich durchgeführt und alle Studien kamen zu dem Ergebnis, dass die männlichen Tiere in ihren Wachstumsleistungen und Futterverwertungen weit unterhalb der Leistungen von Masthybriden liegen. Ein weiterer Diskussionspunkt sind die schlechten Schlachtkörperzusammensetzungen. Bei diesen Tieren ist der Fleischanteil geringer und der Knochenanteil höher. Auch die Fleischverteilung fällt eher ungünstig aus. Es wird mehr Fleisch an weniger wertvollen Teilstücken angelegt z.B. an den Keulen und viel weniger an dem wertvollsten Teilstück Brust. Fazit dieser Studien ist, dass aufgrund der hohen Kosten für die Aufzucht und einer geringen Akzeptanz von Markt und Konsument der Aufzucht von männlichen Legehybriden wenig Chancen auf Erfolg eingeräumt werden