Wintertagung 2015 der Geflügelproduzenten in Hatzendorf

03.02.2015 Spannende Fachvorträge und zum Teil sehr bewegende Diskussionsrunden standen auf der Agenda der heurigen Geflügeltagung in Hatzendorf.

Bereits zum 62. Mal fand die Wintertagung für Geflügelproduktion statt und durfte sich über einen großen Teilnehmerkreis freuen.

Das zentrale und sehr emotionale Hauptthema der Tagung war die Zukunft der österreichischen Geflügelbauern. Nachdem immer mehr Landwirte die Produktion in diesem Bereich/dieser Branche einstellen, sinkt zum einen natürlich somit der Selbstversorgungsgrad an heimischen Hühnerfleisch, Putenfleisch und Eiern und zum anderen verringert sich der Marktanteil so stark, dass diese Form der Landwirtschaft künftig nur mehr als Marktnische zu betrachten sein könnte. Dieser Einwand ist gerechtfertigt, denn schließlich hat die Branche in den letzten 5 Jahren einen Verlust von 18% erlitten.

Der Selbstversorgungsgrad bei Eiern im Jahr 2013 betrug 81% und bei Hühnerfleisch 83%. Die Beliebtheit an Geflügelfleisch nimmt jedoch seit dem Jahr 2003 stetig zu. Mittlerweile hat Geflügelfleisch mit 21% das Rindfleisch mit 18% im Handel und somit beim Konsumenten überholt.

Vor allem jüngere Kunden greifen gern zu Geflügelfleisch und bleiben auch im Laufe des Lebens diesem Produkt treu, - so Hr. Johannes Mayr Geschäftsführer von KeyQUEST. Außerdem wird mit Geflügelfleisch ein positives Gesundheitsimage assoziiert. Bei den Eiern hingegen verlief der Absatz an die privaten Haushalte in den letzten 5-6 Jahren konstant (lt. RollAMA).

Die Rahmenbedingungen verhindern zusätzlich die Entwicklung der Branche, egal ob es sich dabei um die Baugenehmigungen, die Kosten, die Akzeptanz, die Bestandesdichten (ein wesentlicher Faktor um konkurrenzfähig zu werden) etc. handelt. Fakt ist jedoch, dass Österreich im Moment nicht konkurrenzfähig ist. Politik und Medien sind in diesem Fall eher kontraproduktiv. Hinzukommt, dass aktuell bereits über 60% des Putenfleisches importiert werden u.a. aus Polen. Polen ist Europas größter Produzent an Geflügelfleisch und Eiern. Das importierte Fleisch geht hauptsächlich in die Verarbeitung und in die Gastronomie. Obwohl Regionalität in aller Munde ist, sind der Handel und der Konsument nicht bereit mehr für das Produkt zu bezahlen. Daher wurde ein Programm namens „All In One“ ausgearbeitet. Dieses Programm sollte zur kontinuierlichen Verbesserung im Sinne der Tiergesundheit und des Tierwohles führen. Erfüllen die Geflügelbauern alle diese definierten Richtwerte des freiwilligen Programmes so dürften diese für eine begrenzte Zeit eine Anpassung der Tierzahlen vornehmen, wobei diese immer noch deutlich unter den Werten der anderen EUMitgliedstaaten liegen würden. Diese langjährigen Bemühungen zur Schaffung von wettbewerbsfähigen Rahmenbedingungen durch das „All In One“-Programm wurden am 4. Dezember 2014 zunichte gemacht. Das „All In One“ – Programm konnte sich nicht behaupten und wurde abgelehnt.

Im Block IV „Tiergesundheit“ wurde über Salmonellen und Campylobacter beim Huhn referiert. Immer weniger Leute besitzen ein fundiertes Wissen über Lebensmittel und somit kommt es noch leichter zur Infektion. Im Jahr 2013 wurden ~ 6.000 Fälle von Campylobacteriose beim Menschen behandelt. Generell gilt das Bakterium Campylobacter mittlerweile als die häufigste Ursache von Schleimhautentzündungen des Magens und des Dünndarms beim Menschen. Das Bakterium ist im Magendarmtrakt der Hühner verbreitet und bei der Schlachtung kann es dann zur Kontamination kommen, so dass Geflügelfleisch und –erzeugnisse als die bedeutendste Quelle für die Infektion angesehen werden. Ziel ist es die Kontamination und die Erreger möglichst gering zu halten. Der Beginn zu einer Verminderung beginnt somit bereits in den Aufzuchtbetrieben.