In der Biohaltung etabliert sich der „Bruder“

29.04.2016 In Österreich werden seit Jänner 2016 die männlichen Kücken von Legehennenrassen im Biofreilandbereich aufgezogen

Praxisüblich werden die frisch geschlüpften männlichen Kücken von Legehennenrassen aus wirtschaftlichen Gründen aussortiert und zu Tierfutter verarbeitet. Mit dem sogenannten Eintagskücken töten bzw. schreddern soll bis 2017 endgültig Schluss sein.

Eine Vorreiterrolle in diesem Bereich übernimmt die Biofreilandhaltung. Hier werden nun seit Jänner 2016 die männlichen Kücken aufgezogen. Versuchsweise wurden bereits zuvor einzelne Partien gemästet. Auf diesen Erfahrungswerten kann man aufbauen. Die männlichen Nachkommen von Legehennenrassen müssen 17 bis 18 Wochen aufgezogen werden um genügend Fleisch anzusetzen. Die lange Mastdauer ist selbstredend erheblich teurer. Im Vergleich dazu beträgt die Mastdauer von Mastrassen nur 35 Tage. Außerdem bilden die Mastrassen wesentlich mehr Brustfilet aus. Und genau dieses Brustfilet ist beim Konsumenten so beliebt. Beim „Bruder“ irritiert hingegen der etwas andere Körperbau den Kunden. Vor allem die langen Beine bieten einen ungewohnten Anblick. Darum klappt der Verkauf ganzer Tiere nicht. Daher werden diese in diversen Einzelteilen angeboten oder weiterverarbeitet. Lediglich als Suppenhuhn kann der „Bruder“ im Ganzen angeboten werden. Grundsätzlich ist das Fleisch dieser männlichen Nachkommen dünkler, fester und aromatischer.

Um künftig mehr oder weniger flächendeckend den sogenannten „Bruder“ aufziehen zu können, müssen die Legehennenhalter im Biofreilandbereich beim Neukauf von Hennen pro Henne um rund 6,50 € mehr bezahlen. Diese Mehrkosten sollen mit einem Aufpreis von 3 bis 4 Cent pro Ei wieder gedeckt werden.

Koppensteiner, 29. April 2016