Geflügelwirtschaft weltweit - Eine Analyse der Erzeugungsstandards

22.07.2016 Welche Resultate ergeben sich aus dieser Studie? Wo befindet sich Österreich? Diese kurze, aber prägnante Zusammenfassung gibt Aufschluss darüber.

Das Handelsblatt Research Institute (unabhängiges Forschungsinstitut der deutschen Verlagsgruppe Handelsblatt) veröffentlichte heuer eine Studie mit dem Titel „Geflügelwirtschaft weltweit – Deutschland im internationalen Vergleich“. Genauer analysiert wurden dabei die Erzeugungsstandards. Als Ausgangsbasis dienten die einschlägigen Rechtsvorschriften, wobei hier vor allem das Augenmerk auf das Tierwohl (Besatzdichte, Zugang zu Futter und Trinkwasser, Stallklima, Einstreu, Antibiotika- / Medikamenteneinsatz, …), den Verbraucherschutz und den Umweltschutz gelegt wurde. Diese drei Dimensionen wurden anhand von zwölf Indikatoren international verglichen und bewertet. Es wurden insgesamt 16 Länder für diese Studie herangezogen. Neben Deutschland waren das die USA, China, Brasilien, Indien, Japan, Frankreich, Großbritannien, Italien, Spanien, Polen, die Niederlande, Belgien, Schweden und Österreich. Die Hähnchenfleisch- und die Putenfleischerzeugung wurden dabei separat voneinander untersucht.

Es existieren bis dato keine weltweit verbindlichen Mindeststandards für die Erzeugung von Geflügelfleisch. Für die Hähnchenfleischerzeugung gelten jedoch für alle 28 EU-Staaten verbindliche Mindeststandards. Wo es hingegen für die Putenfleischerzeugung keine eigene gesetzliche Grundlage gibt. Hierbei bezieht man sich auf die allgemeinen Mindestnormen zum Schutz landwirtschaftlicher Nutztiere. Abgesehen davon  haben noch ein paar weitere EU-Verordnungen wie z.B.: die Kennzeichnung von Futtermitteln Einfluss auf die Erzeugungsstandards.

Die EU übernimmt international quasi eine Führungsrolle in der Hähnchenfleischerzeugung, da diese hohe Mindeststandards vorschreibt. Diese Vorgaben wurden von allen EU-Staaten weitgehend unverändert in nationales Recht umgesetzt. Nur Deutschland, Österreich und Schweden gehen mit ihrer nationalen Gesetzgebung über die EU-Vorgaben hinaus. Die USA und Russland liegen mit ihren gesetzlichen Standards unter dem EU-Niveau. Brasilien hat hohe Standards vor allem im Exportsektor, aufgrund der Importanforderungen der EU. In China, Indien und Japan gibt es kaum verbindliche Vorschriften zur Erzeugung von Hähnchenfleisch.

Die gültigen EU-Regelungen sind für die Putenfleischerzeugung weniger streng als für die Hähnchenfleischerzeugung. Auch hier zeigt sich ein ähnliches Bild wie bei der Hähnchenfleischerzeugung. Deutschland, Österreich und Schweden liegen wieder weit über den EU-Normen. Die Niederlande und Großbritannien befinden sich mit ihren Standards zwischen Deutschland, Österreich und Schweden und den übrigen EU-Staaten. Die USA hat hier einige Mindeststandards angeführt die höher sind als jene der EU-Richtlinien, jedoch liegen diese hinter den nationalen Regelungen von Deutschland, Österreich und Schweden.

Eine weitere Beobachtung zeigt, dass es eine positive Wechselbeziehung zwischen dem Tierwohl und dem Wohlstandsniveau eines Landes gibt. In Ländern mit einem höheren Wohlstandsniveau gibt es eine höhere Nachfrage nach Fleisch, die Kundenbedürfnisse steigen somit was die Qualität betrifft als auch was die Art der Tierhaltung anbelangt. Japan ist hierbei ein Ausreißer nach unten. In diesem hochentwickelten Land sind landwirtschaftlich genutzte Tiere vielfach explizit von Tierschutzbestimmungen ausgenommen.

Fazit dieser Studie ist, dass Deutschland bei den Erzeugungsstandards in der Geflügelwirtschaft weltweit mit an der Spitze steht. Ein weiteres Resultat der Studie macht deutlich, dass in Österreich und Schweden durch die sehr hohen Erzeugungsstandards und die damit verbundenen höheren Erzeugungskosten die Gefahr besteht, dass sich die einheimischen Konsumenten sich das teurere im eigenen Land produzierte Geflügelfleisch nicht mehr leisten können bzw. wollen. Daher wird die wachsende Nachfrage durch Importe abgedeckt. Die Erzeugungsstandards der importieren Ware sind allerdings niedriger und stehen somit im Wiederspruch mit der zuvor erwähnten These.

Alle Details, weiteren Fakten und Resultate können Sie selbst in der Studie nachlesen: