Tierwohl ist ein langfristiger Trend

28.09.2016 23. Freiland-Tagung/29. IGN-Tagung

Immer mehr „Berufskrankheiten“ wie zum Beispiel Lahmheiten bei Kühen, Brustbeinveränderungen beim Geflügel, routinemäßige tierschutzrelevante Eingriffe zum Anpassen der Tiere an die Haltungsumwelt oder auch das zunehmende Problem des Schlachtens trächtiger Tiere sind die Folgen von der zunehmenden Export- und Wettbewerbsorientierung in der landwirtschaftlichen Milch- und Fleischpraxis.

Daher stand die 23. Freiland-Tagung/29. IGN-Tagung unter dem Motto „Für einen besseren Umgang mit (weiblichen) Nutztieren“.

Augenmerk wurde dabei vor allem auf Zuchtsauen, Kuh und Kalbinnen sowie die Legehennen gelegt. So wurde im Zuchtsauenbereich ein neues Wartestallkonzept mit Gruppierungsmöglichkeiten sowie die betrieblichen Eigenkontrollen mit tierbezogenen Indikatoren vorgestellt. Bei den Rindern konzentrierte sich heuer der Schwerpunkt auf die Kalbinnenaufzucht und den richtigen Umgang mit der Kuh. Der Themenpunkt „Vermeidung der Schlachtung hochtragender Tiere“ beschäftigte sich ebenfalls hauptsächlich mit Rindern, denn hier liegen bis dato die meisten Daten und Fakten vor. In Deutschland starten jetzt jedoch Studien diesbezüglich in Schweineschlachthöfen.

Im Geflügelbereich werden aktuell einige Studien mit Schwerpunkt Haltungssysteme durchgeführt, da auch unter anderem das Haltungssystem Einfluss auf die Brustbeinveränderungen bei Legehennen haben kann. In der Boden- und Volierenhaltung sind zwischen 55 und 97 Prozent der Hennen davon betroffen. Brustbeinveränderungen lassen sich in zwei verschiedene Kategorien unterteilen. Brustbeinfrakturen sind hauptsächlich Ursachen von Abstürzen und Kollisionen mit Stalleinrichtungen und Sitzstangen wohingegen Brustbeindeformationen vermutlich als Anpassungsreaktion des Knochens auf kontinuierliche mechanische Belastung während der Sitzstangennutzung auftreten. Eine weitere Ursache für Brustbeinveränderungen könnte auch die Eilegerate moderner Legehybriden sein und der damit verbundene hohe Kalziumverbrauch für die Produktion der Eischale, weshalb die Knochen mit zunehmenden Alter spröde und brüchig werden.
In der Volierenhaltung wurden daher Versuche mit Rampen und Anflugplattformen, welche in den Stallungen montiert wurden, gemacht und tatsächlich verringerten sich die Abstürze um 55 Prozent und die Kollisionen um 41 Prozent. Zusätzlich wird vermutet, dass sich ein großes Sitzstangenplatzangebot auf der oberen Etage sowie eine angepasste Dämmerungsphase am Abend positiv auf die Reduktion von Abstürzen und den damit verbundenen Frakturen auswirken.

Alles in allem wurde auch heuer wieder das Thema der Veranstaltung durch die verschiedensten Vorträge gut veranschaulicht. Iststände wurden angeführt, neue Erkenntnisse präsentiert und die eine oder andere Frage blieb für Diskussionen bzw. neue Studien sogar offen.

Koppensteiner, 28.09.2016