Wintertagung: Fachtag Geflügelhaltung in Hatzendorf

03.02.2017 Gut besucht und voller interessanter Themen wurde auch heuer wieder am 1. Februar 2017 im Kultursaal Hatzendorf die Wintertagung des ökosozialen Forums für die Geflügelhalter abgehalten

Die diesjährige Wintertagung in der Steiermark stand unter dem Motto „Unser Essen. Unsere Regionen. Wer wird uns morgen versorgen?“. Im gut gefüllten Kultursaal in Hatzendorf haben die zwei Rahmenthemen „Regionale Kennzeichnung in Europa“ und „Bauernarbeit zwischen Marketing und Produktion“ den Tagesablauf für die Geflügelhalter und Wissbegierigen bestimmt. Eine kurze Zusammenfassung über die Referate sowie die geäußerten Fakten, Daten und Meinung der Referenten erfahren Sie hier.
 

Regionale Kennzeichnung in Europa unterschiedlich umgesetzt


Die Herkunftsbezeichnung betrifft nicht nur die Eier- und Geflügelbranche. Jedoch muss man sich eingestehen, dass genau hier noch viel aufzuholen ist. Eine große Ausnahme bilden hierbei die österreichischen Frischeier. Hier gibt es bereits seit längerem eine hervorragende und nachvollziehbare Kennzeichnung im Lebensmitteleinzelhandel. In der der Gastronomie und der verarbeitenden Industrie gilt es auf Wunsch der Konsumenten sowie der heimischen Produzenten diese Lücke noch zu füllen. Ein gutes Beispiel stellt dabei der Außer-Haus-Verzehr dar. Dieser nimmt kontinuierlich zu und daher wäre eine Kennzeichnung sinnvoll bzw. auch der Konsument scheint sich eine solche zu wünschen. „Schließlich möchte man doch wissen, was man isst“. Die Schweiz ist in diesem Fall Vorreiter und könnte als Beispiel herangezogen werden. Auch in Frankreich wird aktuell eine nationale Kennzeichnungsvorschrift getestet. Wie sich diese bewährt, kann erst in einiger Zeit festgestellt werden. Allerdings beziehen sich diese Kennzeichnungsvorschriften nur auf all jene Produkte/Bestandteile, die in Frankreich erzeugt werden. Wird ein Bestandteil eines Produktes aus einem anderen Land bezogen, muss dieser nicht mit der Herkunft versehen werden.
 

Österreichische Ware für den LEH als Ziel


Eine weitere Zielsetzung der heimischen Geflügelfleischbranche ist es, dass im Lebensmitteleinzelhandel nur mehr österreichische Ware angeboten wird. Logischerweise gilt diese Zielsetzung in erster Linie nur für Hühnerfleisch und nicht für Pute, da der Selbstversorgungsgrad bei Pute sogar rückläufig ist. Um diesem Ziel näher zu kommen wurde ein neues Konzept für den Lebensmitteleinzelhandel mit der AMA Marketing ausgearbeitet. Es hat sich eine mehrjährige Kampagne daraus entwickelt. Mittels BIDÖ – Beiträge im Dienste der Öffentlichkeit soll der Konsument aufgeklärt werden. Im Eierbereich wurde dies bereits erfolgreich umgesetzt – Erklärung zur Stempelung am Ei .
 

Produktion und Vermarktung müssen im Einklang stehen


Produktion und Vermarktung müssen Hand in Hand arbeiten um an das gewünschte Ziel zu gelangen. Dies verdeutlichten auch die Beiträge am Nachmittag der Veranstaltung.
 

Geschlechterfrüherkennung noch nicht ausgereift


Das beginnt schon bei der Geschlechterfrüherkennung im Ei. Bis dato hat sich noch keine Methode für den Praxiseinsatz bewährt. Im Moment scheinen die Infrarot-Raman-Spektroskopie und die Analyse der Allantoisflüssigkeit am wahrscheinlichsten zu sein. Bei der zweiten Methode wird Flüssigkeit aus der Allantois (embryonale Harnblase) entnommen und der Gehalt an weiblichen Hormonen untersucht um das Geschlecht des Embryos festzustellen. Die Methode gilt als genau und es kommt zu geringen Schlupfeinbußen. Als Nachteil wird der relativ späte Zeitpunkt der Untersuchung angeführt, nämlich ab dem 9. Tag, und die Verbrauchskosten. Den Ländern Kanada, Holland und Israel wird nachgesagt, dass diese bereits eine praxistaugliche Methode haben. Jedoch gibt es darüber überhaupt keine Informationen und keinen fachlichen Austausch.
 

Erfolgreiches Projekt BIO-Gockel


Wohin gegen beim Projekt und der Aufzucht vom BIO-Gockel eine positive Bilanz gezogen werden kann. Seit Jänner 2016 müssen alle männlichen Hühner in Österreich in der Kategorie BIO-Freilandhaltung aufgezogen werden. Die männlichen Hühner werden entweder im Ganzen verkauft oder verarbeitet als Frankfurter. Die Vermarkter sind mit den Absätzen dieses Nischenproduktes sehr zufrieden. Sollten künftig alle männlichen Nachkommen von Legerassen aufgezogen werden müssen, sieht die Lage wieder etwas anders aus. Das alles funktioniert natürlich nur, wenn die Eierpackstellen und alle Beteiligten an einem Strang ziehen. An dieser Stelle muss man erwähnen, dass unsere heimischen Packstellen von Beginn an sämtliche Projekte zur Verbesserung des Tierschutzes etc. teilnehmen. Nur so können diverse Projekte dann auch in der Praxis umgesetzt werden bzw. sich bewähren.
Konsumenten und Produzenten dürfen gemeinsam mit dem Handel gespannt sein, wie es weitergeht in den einzelnen Branchen und sich auf einen neuerlichen Informationsaustausch im Jahr 2018 freuen.

 

Weiterführende Informationen


Ökosoziales Forum