Wintertagung 2019 – Fachtag Geflügelhaltung in Hatzendorf

07.02.2019 Wer ernährt die Welt? Wer verzehrt die Welt? Wer erklärt die Welt? Unter diesem Gedankenanstoß referierten die Experten über den Geflügelmarkt, Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Tiergesundheit.

Die Wintertagung des ökosozialen Forums zog auch heuer wieder viele Interessierte und Branchenkenner in den Kultursaal nach Hatzendorf in der Steiermarkt.

Wer ernährt die Welt? Wer verzehrt die Welt? Wer erklärt die Welt?

Unter diesem Gedankenanstoß referierten die Experten über den Geflügelmarkt, Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Tiergesundheit.

Herkunftskennzeichnung in der Gemeinschaftsverpflegung

Im ersten Block sprach der Präsident der Landwirtschaftskammer Österreich, Josef Moosbrugger, über die herausfordernden Themen der Zukunft. Als ein großes Ziel sieht Moosbrugger die Herkunftskennzeichnung in der Gemeinschaftsverpflegung und die Notwendigkeit von Investitionsprogrammen in der Geflügelwirtschaft.
Der neue Obmann der Zentralen Arbeitsgemeinschaft der Österreichischen Geflügelwirtschaft Franz Karlhuber verschaffte den interessierten Zuhörern einen Überblick über die aktuelle Situation der österreichischen Geflügelbranche unter der Frage – Was kann und was braucht der Geflügelmarkt? In Österreich gibt es derzeit 6,8 Mio. Legehennenplätze und 11,2 Mio. Mastplätze und einen Produktionswert von 467 Mio. Euro in der Geflügelwirtschaft.

Digitalisierung – wir gehen nicht online, wir leben online

Im Mittelpunkt des zweiten Blocks stand die Vermarktung im digitalen Zeitalter. Dr. Andreas Seidl, Einkaufsleiter JA Natürlich, gibt einen Einblick in die Logistikabläufe bei REWE International AG. Ein neues Verteilerzentrum mit 7.000 qm² entsteht um den steigenden Online-Einkäufen gerecht zu werden. Ein wichtiger Anteil hat die Digitalisierung auch in den 3 REWE Fleischwerken, hier wird mittels Kamerasystem die Qualitätssicherheit gewährleistet. Christina Spangl gestaltet als Senior Campaign Manager für Campaigning-bureau unter anderem den Werbeauftritt für Niederösterreichs Bauern. In ihrem Vortrag zeigt sie sehr anschaulich die Wandlung der Gesellschaft und wie man Menschen durch die Digitalisierung erreichen kann. Besonders hilfreich sind hierbei persönliche Geschichten um eine Identifizierung mit dem Produzenten zu erreichen. Die beiden Praxisbeispiele für Digitalisierung im Lebensmittelbereich, Markta – der Digitale Bauernmarkt und The Coolinary Society – Foodblog zeigten die vielfältige Nutzbarkeit der Sozialen Medien und Internetplattformen.

Geflügelhaltung – innovative & wirtschaftliche Wege

Innovationen standen im Fokus des dritten Blocks. Paul van Boekholt, Verkaufsleiter von Hubbard, stellte die Entwicklung der langsamer wachsenden Rassen dar. Das Augenmerk lag auf der Umstellung in den Niederlanden, wo seit einigen Jahren im Lebensmitteleinzelhandel nur mehr Masthähnchen mit einer maximalen Mastzunahme von 50 g/Tag und einer Mastdauer von min. 56 Tagen zu finden sind.
Der Leiter der Abteilung für Klimatechnik und Nutztierschutz, HBLFA Raumberg-Gumpenstein, Eduard Zentner zeigt die Notwendigkeit auf, den Klimawandel auch bei baulichen Vorhaben zu berücksichtigen. Bei extremen Witterungen, egal ob Hitze oder Frost, sinkt die Lege- und Mastleistung deutlich ab. Daher ist es notwendig Ställe mit geeigneten Maßnahmen (Lüftungsanlagen, Kühlung, Isolierung) nachzurüsten bzw. bei Neubau mit einzuplanen. Nicht nur aus Sicht des Tierwohls spielen diese baulichen Maßnahmen eine Rolle, auch die Vermeidung von Emissionen kann nicht mehr außer Acht gelassen werden, da es immer schwieriger wird die Genehmigungen für den Stallbau zu erhalten.

Tierwohl = Tiergesundheit

Im letzten Block lag der Schwerpunkt auf Tiergesundheit, Herdenmanagement und Tierwohl. Dr. Bärbel Mägdefrau-Pollan stellte die Frage „Was ist Tierwohl?“ in den Raum. Diese Frage ist sicher ein komplexes Thema mit vielen Komponenten, doch ganz klar muss sein, dass es ohne Tiergesundheit auch kein Tierwohl geben kann. Denn nur ein gesundes Tier kann auch glücklich sein.
Ein wesentlicher Bestandteil für Tiergesundheit liegt in der Hygiene. Martin Wagner, Leiter des Instituts für Milchhygiene der Vetmed Wien, beschreibt die Entwicklung der Lebensmittelhygiene und betont auch wie wichtig Küchenhygiene besonders bei Geflügelfleisch ist.
Den Abschluss der diesjährigen Wintertagung bildet der Vortrag vom Fachtierarzt für Geflügel Dr. Peter Mitsch über die Auswirkung von Herdenmanagement auf die Tiergesundheit. Er schließt sich seinen Vorrednern an und betont die Wichtigkeit eines guten Herdenmanagements und der entsprechenden Hygiene. Digitalisierung hat schon längst Einzug genommen in den modernen Ställen, doch der persönliche Kontakt zu den Tieren darf nicht verloren gehen, da so Krankheiten oder Probleme schnellstmöglich erkannt werden können.

Doppler, 07.02.2019

Weiterführende Informationen
Ökosoziales Forum