Agrarpreise Österreich - Preisentwicklung ausgesuchter Produkte für April 2020

08.06.2020 Erzeugermilchpreis stabil, Beschleunigte Talfahrt der Jungstierpreise, Rückstau auf dem Schweinemarkt, Weizenpreise im Minus, Wegfall der Gastronomie führt zu Preisdruck auf Bodenhaltungseiern, Speisekartoffel sind gefragt, Handel mit Verarbeitungsware eingefroren

Erzeugermilchpreis stabil

Der österreichische Erzeugermilchpreis für April 2020 blieb gegenüber dem Vormonat stabil. Die Molkereien und Käsereien zahlten ihren Milchlieferanten im Schnitt 37,21 ct/kg (Durchschnitt aller Qualitäten und Inhaltsstoffe). Gegenüber dem Vormonat ergab sich ein minimales Plus von 0,01 Cent pro Kilogramm Rohmilch. Im April des Vorjahres erlösten die Milchbauern von den Molkereien 37,84 ct/kg; der Auszahlungsbetrag pro Kilogramm war im Vorjahresmonat folglich um 0,63 Cent höher. 

Die AMA schätzt den Erzeugermilchpreis für Mai 2020 auf 36,60 ct/kg (Durchschnitt aller Qualitäten und Inhaltsstoffe); das heißt, im Mai fällt der Erzeugermilchpreis erstmals nicht nur wegen der etwas geringeren Inhaltstoffe, sondern auch aufgrund der COVID-19 Pandemie-Auswirkungen und der steigenden Anlieferungsmenge. Ausschlaggebend für die weiteren Monate wird sicherlich auch sein, ob die Milcherzeuger das Anlieferungsverhalten auf die Verarbeitungs- und Vermarktungsmöglichkeiten der Molkereien anpassen. 

Der durchschnittliche EU-Erzeugermilchpreis für März 2020 betrug 34,41 ct/kg und gab somit um 0,78 Cent gegenüber dem Vormonat nach. Der EU-Erzeugermilchpreis für April 2020 wird von der EU-Kommission auf 34,23 ct/kg geschätzt und würde somit weiter nachgeben ( -0,18 ct/kg gegenüber dem Vorjahresmonat). Anmerkung: die Preisangaben beziehen sich auf die EU ohne Großbritannien.

Beschleunigte Talfahrt der Jungstierpreise

Der Schlachtrindermarkt stand im April ganz im Zeichen der Corona-Krise. Durch die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie fiel ein großer Teil der Absatzkanäle für Rindfleisch weg. Üblicherweise wird etwa die Hälfte über die Gastronomie vermarktet, die jedoch geschlossen war. Zudem waren Exporte, die vor allem die Märkte für Schlachtkühen und Kalbinnen entlasten, nur eingeschränkt möglich. Dementsprechend brachen die Schlachtrinderpreise ein. Der seit Jahresbeginn herrschende Abwärtstrend bei Jungstieren beschleunigte sich – der Durchschnittspreis (E-P) fiel um 22 Cent auf EUR 3,55 je kg. Somit wuchs das Minus im Vergleich zu 2019 auf 4,6 %. Im Mai hielten die Preise das niedrige Niveau.

Rückstau auf dem Schweinemarkt

Der Absatz von Schweinefleisch verlor im April an Schwung. Es zeigte sich, dass die erhöhte Nachfrage im Lebensmitteleinzelhandel den fehlenden Außer-Haus-Verzehr nicht dauerhaft ersetzten kann. Daher reduzierten die Schlacht- und Zerlegebetriebe ihre Aktivitäten. Auf dem Schweinemarkt entstand ein Rückstau. Die Exporte nach Asien liefen europaweit mengenmäßig gut, die Erlöse blieben aber hinter dem Vorjahr zurück. So entstand auch in Österreich Druck auf die Preise für Schlachtschweine: Der durchschnittliche Auszahlungspreis (S-P) sank um 13 Cent auf EUR 1,92 je kg. Dadurch schrumpfte der Zugewinn im Jahresabstand auf 8,5 %. Noch größere Einbußen folgten im Mai.

Weizenpreise im Minus

Die Kursbewegungen des internationalen Weizenmarktes finden sich nur bedingt in Österreich wieder. Im Laufe des Monats April verlor Qualitätsweizen an der landwirtschaftlichen Produktenbörse in Wien etwas an Niveau (-6 EUR/t) und lag zuletzt bei 180 EUR/t (06.05.2020). Mahlweizen bewegte sich in dieselbe Richtung und lag bei 174 EUR/t, während sich Mahlroggen zuletzt etwas befestigen konnte (154 EUR/t). Laut AMA-Daten stieg die Vermahlung im März 2020 gegenüber März 2019 um 23 %. Die Weichweizen- und Hartweizenvermahlung stieg um 25 %, die Dinkelvermahlung um 38 % und die Roggenvermahlung um 9 %. Die gestiegenen Vermahlungsmengen sind auf erhöhte Absätze im Lebensmitteleinzelhandel (im März) zurückzuführen, während sich der Absatz an die Bäckereien unterschiedlich entwickelte. Der Futtergerstenpreis setzte den schon seit zwei Monaten begonnenen Abwärtstrend im April fort und lag zuletzt bei 134 EUR/t. Die Preisschwäche am Futtergetreidemarkt – einerseits durch die Schließung der Gastronomie und andererseits aufgrund der gedrückten Stimmung am internationalen Maismarkt (Chicago-Notierung auf Jahrestief) – setzte sich im April fort. Die Wirkung der Stützungsmaßnahmen für den tierischen Sektor (Private Lagerhaltung Rindfleisch, Butter, Magermilchpulver) auf EU-Ebene sowie die neu verhängten Einfuhrzölle für Importe von Mais, Roggen und Sorghum auf den Futtergetreidemarkt werden von der AMA weiterhin genau beobachtet.

Wegfall der Gastronomie führt zu Preisdruck auf Bodenhaltungseiern 

Durch die Schließung der Gastronomie verschärfte sich die Lage auf der Großhandelsebene – auch der fehlende Absatz in den Tourismusbetrieben konnte nicht durch den Lebensmittelhandel ausgeglichen werden, was zusätzlich zu einem Preisdruck am Eiermarkt für Bodenhaltungseier führte. In der vorösterlichen Zeit wurden um 30 % weniger Farbeier nachgefragt. Hingegen setzte sich die starke Nachfrage nach Eier aus Freilandhaltung und Bio Freilandhaltung im Lebensmittelhandel fort. Der Packstellenabgabepreis für Eier aus Bodenhaltung der Klasse M fiel im April gegenüber dem Vormonat um 0,23 Cent auf 11,18 EUR je 100 Stück. Im Vergleich zum März 2019 ergab das einen Preisrückgang von 7,60 %.

Speisekartoffel sind gefragt, Handel mit Verarbeitungsware eingefroren 

Mit durchschnittlich 25.00 EUR/dt wertete der niederösterreichische Erzeugerpreis von Speisekartoffeln, festkochend im April nach wie vor unverändert auf Vormonatsniveau. Preislich wird sich voraussichtlich auch bis zur neuen Ernte nicht mehr viel bewegen. Gegen Pfingsten habend unterdessen die ersten Chargen an heimischen Heurigen den Weg ins Verkaufsregal gefunden. Während also die Läger von Speiskartoffeln in absehbarer Zeit besenrein sein werden, wird Verarbeitungsware durch die COVID-19-Krise weit in die neue Saison einfließen. (siehe auch Marktübersicht international – Erdäpfel)