Agrarpreise Österreich - Preisentwicklung ausgesuchter Produkte für Juli 2020

15.09.2020 Erzeugermilchpreis weiterhin stabil, Schwierige Vermarktung von Jungstieren, Schlachtschweine unter Druck, Qualitätsprämien für Weizen, Erntemenge drückt auf Mahlroggenpreis, Maispreis im Plus, Eierabsatz mit Stadt-Land-Gefälle, Erzeugerpreise bei Frühkartoffeln angebotsbedingt auch im Juli auf Talfahrt

Juli 2020: Erzeugermilchpreis weiterhin stabil

Der österreichische Erzeugermilchpreis konnte im Juli 2020 das Niveau des Vormonats halten und lässt positive Tendenzen erkennen. Die heimischen Milchlieferanten erhielten im Schnitt 36,23 ct/kg (Durchschnitt aller Qualitäten und Inhaltsstoffe) von den Molkereien und Sennereien. Im Juli des Vorjahres erlösten die Milchbauern von den Molkereien 35,97 ct/kg und im Juli des Jahres 2018 waren es 35,34 ct/kg (Durchschnitt aller Qualitäten und Inhaltsstoffe).

Der Auszahlungspreis für Milch mit 4,2 % Fett und 3,4 % Eiweiß betrug heuer im Juli 36,67 Cent pro Kilogramm Rohmilch und lag somit um 1,49 ct/kg über dem aus dem Vorjahresmonat.

Die AMA schätzt den Erzeugermilchpreis für August 2020 auf 37,30 ct/kg (Durchschnitt aller Qualitäten und Inhaltsstoffe); Ursache für den Preisanstieg ist, dass einige Molkereien den Grundpreis erhöht haben.

Der durchschnittliche EU-Erzeugermilchpreis für Juni 2020 betrug 32,58 ct/kg und gab somit um 0,35 Cent gegenüber dem Vormonat nach. Der EU-Erzeugermilchpreis für Juli 2020 wird von der EU-Kommission auf 32,50 ct/kg geschätzt. Anmerkung: die Preisangaben beziehen sich auf die EU ohne Großbritannien.

Schwierige Vermarktung von Jungstieren

Rindfleisch steht in den Sommermonaten nicht gerade im Mittelpunkt des Interesses der Konsumenten. Im Juli konzentrierte sich die Nachfrage überwiegend auf Edelteile. Das Angebot an Jungstieren schwankte von Woche zu Woche etwas. Dementsprechend schwierig gestaltete sich die Vermarktung. Bei der Preisgestaltung herrschte mehrfach Uneinigkeit zwischen den Erzeugern und den Schlachtbetrieben. Im Monatsschnitt stieg der Jungstierpreis (E-P) um 1 Cent auf EUR 3,56 je kg. Damit lag er nur noch 0,8 % unter dem Vergleichswert von 2019. Der August brachte einen deutlichen Preisanstieg.

Schlachtschweine unter Druck

Der europäische Schweinemarkt stand im Juli ganz im Zeichen der Corona-Cluster in Schlachtbetrieben. Gravierende Folgen hatte die wochenlange Sperre des größten deutschen Schlachthofes, nachdem über 1.500 Mitarbeiter positiv getestet wurden. Dadurch entstand ein Rückstau, der den EU-Binnenmarkt belastete und die Preise drückte. In Niederösterreich musste ein Schlachtbetrieb wegen Erkrankung bzw. Quarantäne des Großteils der Belegschaft schließen. Auf dem heimischen Markt entstand deshalb aber kein zusätzlicher Preisdruck. Dennoch sank der Durchschnittspreis für Schlachtschweine (S-P) um 8 Cent auf EUR 1,66 je kg. Somit vergrößerte sich des Minus gegenüber dem Vorjahr auf 10,8 %. Im August stiegen die Preise nur minimal.

Qualitätsprämien für Weizen 

Die Preise für die neue Getreideernte 2020 zeigen sich im Laufe des Monats Juli auf einem ähnlichen Niveau wie im Vorjahr. Premiumweizen wurde mit 180 bis 190 EUR/t bewertet und kann durch die verringerte Verfügbarkeit besser als in den Vorjahren abgesetzt werden. Qualitätsweizen liegt mit 172 bis 180 EUR/t auf dem Niveau der alten Ernte, während Mahlweizen hingegen durch die bessere Verfügbarkeit Federn lassen musste und nur mehr mit 164 bis 175 EUR/t notiert wurde.

Erntemenge drückt auf Mahlroggenpreis

Während sich zumindest die Weizennotierungen relativ stabil zeigen, verzeichnet Mahlroggen durch die erhöhten Erntemengen deutliche Preisrückgänge. Seine Notierung sank im Monatsmittel Juli auf 148 EUR/t, im August nur mehr auf 144 EUR/t, während die alte Ernte um 7 bis 12 EUR/t höher bewertet wurde. Futtergerste der neuen Ernte liegt (Juli 2020: im Mittel 127,80 EUR/t an der Produktenbörse Wien) entsprechend der guten Wintergerstenernte um 2 bis 5 EUR/t unter der alten Ernte.

Maispreise im Plus

Mais der alten Ernte konnte an der Produktenbörse in Wien im Juli und August die Aufwärtsbewegung fortsetzten. Im Mittel lag die Notierung im Juni bei 148,60 EUR/t, im Juli bei 156,40 EUR/t und im August sogar bei 161,30 EUR/t. Obwohl die kommende Ernte in Österreich und auch international auf einem überdurchschnittlichen Niveau erwartet wird, besteht für die Deckung bis zum Erntestart eine rege Nachfrage.

Eierabsatz mit Stadt-Land-Gefälle

Die Absatzsituation im Juli zeigte sich weiter uneinheitlich: Die Direktvermarkter vermeldeten einen zufriedenstellenden Absatz über Hofläden am Land. Die Nachfrage im städtischen Tourismus über Gastronomie und Hotellerie blieb hingegen unter den Erwartungen. Im Lebensmitteleinzelhandel pendelte sich der Absatz von Eiern auf saisonübliche Mengen ein. 

Die Packstellenabgabepreise für Eier aus Bodenhaltung der Klasse M fielen im Juli um 12 Cent auf EUR 10,76 je 100 Stück gegenüber dem Vormonat. Im Vergleich zu Juli 2019 zeigte sich ein Preisabfall von 4,4 %.

Erzeugerpreise bei Frühkartoffeln angebotsbedingt auch im Juli auf Talfahrt 

Die niederösterreichischen Erzeugerpreise von Frühkartoffeln waren angebotsbedingt auch im Juli auf Talfahrt und unterstrichen mit einem manifesten Preisverfall den Negativtrend des Vormonats. Während zu Monatsbeginn noch 20,00 EUR/dt, mittelfallend, realisiert werden konnten, ging die durchschnittliche Bewertung gegen Ende mit 12,00 EUR/dt um 40 % in die Knie. Damit ergab sich eine 60 %ige Preisminderung zum zugegebenermaßen starken Vorjahrespreis. Wo die Reise hingeht, vermag zur Zeit niemand zu sagen, da die Ernte von Mittel- und Spätsorten nach wie vor im Gang ist. In Anbetracht der Corona- bedingt sehr gut gefüllten (Tiefkühl-) Läger und der aktuellen Preisentwicklung wird die heurige Saison wohl jetzt schon für viele Landwirte zur Herausforderung. Für mittelfallende Ware wird meist 20,00 EUR/dt bezahlt und auch gegen Westen zu hatten sich die Preise mit 30,00 EUR/dt angebotsbedingt relativiert.