FAO-Preisindex im Juni 2020

03.07.2020 Im Juni erholte sich der FAO Nahrungsmittel-Preisindex erstmals seit Anfang 2020

Der FAO-Nahrungsmittel-Preisindex** stellt eine Maßzahl für die monatliche Änderung der Preise auf den internationalen Märkten dar. Er ist der gewogene Durchschnitt getrennt ermittelter Preisindizes von 5 verschiedenen Produktgruppen (Getreide, pflanzliche Öle, Zucker, Milchprodukte, Fleisch) und repräsentiert insgesamt 95 weltweite Notierungen. Die Gewichtung der 5 Teil-Indizes erfolgt anhand der Exportanteile der jeweiligen Produktgruppe in den Jahren 2014-2016. Die nachträgliche Berichtigung der Indexreihe ist möglich und üblich. Daher muss für Vergleichszwecke immer die allerjüngste Ausgabe des FAO-Nahrungsmittel-Preisindexes herangezogen werden.

FAO-Nahrungsmittel-Preisindex für einzelne Produktgruppen und gesamt:

  Juni 2020 Mai 2020 berichtigt
Getreide 96,9 97,5
Pflanzliche Öle 86,6 77,8
Milchprodukte 98,2 94,4
Fleisch 95,2 95,7
Zucker 75,0 67,8
FAO-Nahrungsmittel-Preisindex 93,2 91,1


Der FAO-Nahrungsmittel-Preisindex lag im Juni 2020 bei durchschnittlich 93,2 Punkten, um 2,2 Punkte (2,4 %) höher als im Mai, was den ersten Anstieg gegenüber dem Vormonat seit Anfang des Jahres darstellt. Angesichts der durch COVID-19 hervorgerufenen Marktunsicherheiten verzeichneten die Preise für Pflanzenöle, Zucker und Milchprodukte nach starken Rückgängen wieder ein Monatshoch. Wogegen auf den Getreide- und Fleischmärkten die meisten Preise weiterhin unter Abwärtsdruck standen.

Der FAO-Getreide-Preisindex lag im Juni bei durchschnittlich 96,9 Punkten und damit geringfügig (0,6 %) niedriger als im Mai und 1,9 Punkte (1,9 %) unter dem entsprechenden Vorjahresmonat. Der Abwärtsdruck auf die Weizenpreise verstärkte sich im Juni, zum Teil angesichts neuer Ernten auf der Nordhalbkugel, aber auch angesichts verbesserter Produktionsaussichten in einer Reihe von wichtigen Exportländern, insbesondere in der Schwarzmeerregion. Verlangsamte Handelsaktivitäten und Währungsschwankungen bei ausgewählten Exporteuren führten dazu, dass die internationalen Reispreise erstmals seit Jahresbeginn einen, wenn auch milden, Rückgang verzeichneten. Die Exportpreise für Gerste und Sorghum fielen im Juni ebenfalls, was die allgemein guten Produktionsaussichten vor dem Hintergrund einer zaghaften weltweiten Importnachfrage widerspiegelt. Im Gegensatz dazu waren die Maispreisnotierungen nach mehreren Monaten des Rückgangs im Juni fester, unterstützt durch eine gewisse Erholung der Nachfrage und ungünstigen Anbaubedingungen in den USA.

Der FAO-Pflanzliche-Öle-Preisindex lag im Juni bei durchschnittlich 86,6 Punkten, was einem Zunahme von 8,8 Punkten (11,3 %) entspricht, nachdem er vier Monate in Folge gesunken war. Die internationalen Palmölpreise stiegen im Juni stark an, und zwar sowohl hinsichtlich der sich entspannenden weltweiten Importnachfrage nach der Lockerung der COVID-19-bezogenen Sperrmaßnahmen in zahlreichen Ländern als auch aufgrund der Besorgnis über mögliche Produktionsrückgänge aufgrund von Mangel an ausländischen Arbeitskräften. Während die sich regenerierende weltweite Nachfrage auch andere Pflanzenöle unterstützte, reagierten die Preise für Soja- und Sonnenblumenöl auf die begrenzte Exportverfügbarkeit in führenden Exportländern. Im Falle von Rapsöl stützte auch die sich erholende Nachfrage der EU- Biodieselindustrie die Preise.

Der FAO-Fleisch-Preisindex* lag im Juni durchschnittlich bei 95,2 Punkten und damit geringfügig (0,6 %) niedriger als im Mai und 6,1 Punkte (6,0 %) unter seinem Stand vom Juni 2019. Die internationalen Preisnotierungen für Geflügel- und Rindfleisch fielen, hauptsächlich durch die gestiegene Exportverfügbarkeit in wichtigen Erzeugerregionen, trotz hoher Importaufträge aus China und dem Nahen Osten. Im Gegensatz dazu erholten sich die Schweinefleischpreise geringfügig, vor allem in Anbetracht einer zaghaften Erholung in Europa in Erwartung der Lockerung der COVID-19-Marktbeschränkungen. Die Preise für Schaffleisch legten stärker zu, da die Nachfrage nach Herdenaufbau bei anhaltend hoher Importnachfrage zu einer Verknappung des Angebots aus Ozeanien führte.

Der FAO-Milchprodukte-Preisindex lag im Juni bei durchschnittlich 98,2 Punkten und damit 3,8 Punkte (4,0 %) höher als im Mai. Der Juni markierte die erste Zunahme des Indexwertes nach vier Monaten aufeinanderfolgender Rückgänge, obwohl der Index 4,6 % unter dem Niveau des entsprechenden Monats 2019 blieb. Die Preisnotierungen für alle im Index vertretenen Milchprodukte stiegen an, erreichten jedoch nicht das Niveau vor der Pandemie. Eine erneute Importnachfrage nach Sofort-Lieferungen, insbesondere aus dem Nahen Osten und Ostasien, in Verbindung mit einem saisonal bedingten Rückgang des Angebots in Europa und einer begrenzten Verfügbarkeit von nicht gebundenen Lieferungen in Ozeanien untermauerten die jüngsten Preiserhöhungen.

Der FAO-Zucker-Preisindex lag im Juni bei durchschnittlich 75,0 Punkten und damit 7,2 Punkte (10,6 %) höher als im Mai. Die Anhebung der Rohölpreise stützte die Zuckerpreise und ermutigte Brasiliens Zuckerfabriken, mehr Zuckerrohr zur Herstellung von Ethanol anstelle von Zucker zu verwenden, was sich auf die Verfügbarkeit von Zuckerexporten auswirkte. Darüber hinaus trugen jüngste Berichte über Engpässe in brasilianischen Häfen infolge der Maßnahmen zur Eindämmung der Ausbreitung des Coronavirus dazu bei, den Wert des Zuckerpreisindex in die Höhe zu treiben.

*) Anders als bei anderen Warengruppen sind die meisten Preise, die bei der Berechnung des FAO-Fleischpreisindexes verwendet werden, nicht verfügbar, wenn der FAO-Lebensmittelpreisindex berechnet und veröffentlicht wird; daher wird der Wert des Fleischpreisindexes für die letzten Monate aus einer Mischung aus prognostizierten und beobachteten Preisen abgeleitet. Dies kann mitunter erhebliche Revisionen des Indexwertes des FAO-Fleischpreisindexes erforderlich machen, was wiederum den Wert des FAO-Lebensmittelpreisindexes beeinflussen könnte.

**) Die Preisabdeckung des FFPI wurde erweitert und sein Basiszeitraum auf 2014-2016 revidiert. Weitere Einzelheiten zu dieser Überarbeitung finden Sie im Feature-Artikel der Juni 2020-Ausgabe des Food Outlook.