FAO-Preisindex im Juli 2021

12.08.2021 Rückgang des Nahrungsmittel-Preisindex im Juli

Der FAO-Nahrungsmittel-Preisindex stellt eine Maßzahl für die monatliche Änderung der Preise auf den internationalen Märkten dar. Er ist der gewogene Durchschnitt getrennt ermittelter Preisindizes von 5 verschiedenen Produktgruppen (Getreide, pflanzliche Öle, Zucker, Milchprodukte, Fleisch) und repräsentiert insgesamt 73 weltweite Notierungen. Die Gewichtung der 5 Teil-Indizes erfolgt anhand der Exportanteile der jeweiligen Produktgruppe in den Jahren 2014-2016. Die nachträgliche Berichtigung der Indexreihe ist möglich und üblich. Daher muss für Vergleichszwecke immer die allerjüngste Ausgabe des FAO-Nahrungsmittel-Preisindexes herangezogen werden.

FAO-Nahrungsmittel-Preisindex für einzelne Produktgruppen und gesamt:

  Juli 2021 Juni 2021 berichtigt
Getreide 125,5 129,4
Pflanzliche Öle 155,4 109,6
Milchprodukte 116,5 119,9
Fleisch 110,3 109,4
Zucker 109,6 107,7
FAO-Nahrungsmittel-Preisindex 123,0 121,5


Der FAO-Nahrungsmittelpreisindex (FFPI) lag im Juli 2021 bei durchschnittlich 123,0 Punkten und damit 1,5 Punkte (1,2 %) niedriger als im Juni, aber immer noch 29,1 Punkte (31,0 %) höher als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Der Rückgang im Juli spiegelt den Rückgang der Preise für Getreide, Milcherzeugnisse und pflanzliche Öle wider, der den zweiten Monat in Folge den Anstieg der Notierungen für Fleisch und Zucker mehr als ausglich.

Der FAO Pflanzliche-Öle-Preisindex lag im Juli bei durchschnittlich 155,4 Punkten, verlor damit 2,2 Punkte (1,4 %) und fiel den zweiten Monat in Folge auf ein Fünfmonatstief. Der Rückgang spiegelt vor allem die niedrigeren Preise für Soja-, Raps- und Sonnenblumenöl wider, die den Anstieg der Palmölpreise mehr als ausglichen. Die internationalen Palmölnotierungen erholten sich im Juli leicht, unterstützt durch eine geringer als erwartet ausgefallene Produktion in den wichtigsten Erzeugerländern angesichts des Mangels an Wanderarbeitskräften, vor allem in Malaysia. Im Gegensatz dazu gaben die Preise für Sojabohnenöl im Juli nach, was vor allem auf die niedrigere Biodieselbeimischung in Argentinien zurückzuführen war. Unterdessen gingen die internationalen Preise für Raps- und Sonnenblumenöl ebenfalls zurück, was auf die gedämpfte weltweite Importnachfrage bzw. das voraussichtliche Rekordangebot für die Saison 2021/22 zurückzuführen ist.

Der FAO-Fleisch-Preisindex* lag im Juli bei durchschnittlich 110,3 Punkten und damit geringfügig höher als im Juni und 19,6 % höher als im entsprechenden Vorjahresmonat. Im Juli stiegen die Notierungen für Geflügelfleisch am stärksten an, gestützt durch erhöhte Importe aus Ostasien bei begrenzten Produktionsausweitungen in einigen Erzeugerregionen, während die Notierungen für Schaffleisch aufgrund hoher Importkäufe und saisonal rückläufiger Lieferungen aus Ozeanien anstiegen. Auch die Preise für Rinderfleisch zogen an, was die Verknappung auf den Weltmärkten aufgrund des geringeren Angebots aus den wichtigsten Erzeugerregionen und der anhaltend hohen Einfuhren, insbesondere aus China, widerspiegelt. Umgekehrt sanken die Preise für Schweinefleisch, nachdem die Einfuhren aus China zurückgegangen waren, obwohl die Lieferungen aus Deutschland wegen der Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest in einigen Schweinebetrieben begrenzt waren.

Der FAO Milchprodukte-Preisindex lag im Juli bei durchschnittlich 116,5 Punkten und damit 3,4 Punkte (2,8 %) niedriger als im Juni, womit er den zweiten Monat in Folge zurückging, nachdem er zwölf Monate lang kontinuierlich gestiegen war. Der Index blieb jedoch 14,7 Punkte (14,5 %) über dem entsprechenden Vorjahresmonat. Im Juli gingen die internationalen Notierungen für alle im Index vertretenen Milcherzeugnisse zurück, wobei Magermilchpulver den stärksten Rückgang verzeichnete, gefolgt von Butter, Vollmilchpulver und Käse, was in erster Linie auf eine geringere Importnachfrage nach Spotlieferungen zurückzuführen ist.  Eine geringere Marktaktivität in der nördlichen Hemisphäre aufgrund der laufenden Sommerferien sowie die Erwartung steigender Exportverfügbarkeiten in der kommenden Zeit, insbesondere aus Ozeanien, wirkten sich ebenfalls negativ auf die internationalen Notierungen für Milchprodukte aus.

Der FAO Zucker-Preisindex lag im Juli bei durchschnittlich 109,6 Punkten und damit 1,8 Punkte (1,7 %) höher als im Juni, was den vierten monatlichen Anstieg in Folge und den höchsten Stand seit März 2017 bedeutet. Der Anstieg der internationalen Zuckernotierungen hing vor allem mit der Unsicherheit über die Auswirkungen der jüngsten Fröste auf die Ernteerträge in Brasilien, dem weltweit größten Zuckerexporteur, zusammen, die bereits durch die lang anhaltende Trockenheit beeinträchtigt wurden. Die gestiegenen Rohölpreise, die die brasilianischen Erzeuger in der Regel dazu veranlassen, die Zuckerrohrernte stärker auf die Ethanolerzeugung umzustellen, stützten die Weltzuckernotierungen zusätzlich. Größere monatliche Preissteigerungen wurden jedoch durch gute Produktionsaussichten in Indien und eine Abschwächung des brasilianischen Real gegenüber dem US-Dollar verhindert.

*im Unterschied zu den anderen Warengruppen sind die meisten Preise, die in die Kalkulation des FAO-Fleisch-Preisindex einfließen, zum Zeitpunkt der Errechnung und Veröffentlichung des Preisindex noch nicht verfügbar. Deshalb war der Wert des Fleisch-Preisindex in den meisten der letzten Monate eine Mischung aus vorausgesagten und beobachteten Preisen. Das kann in bestimmten Fällen eine deutliche Revision des endgültigen Wertes des FAO-Fleisch-Preisindex bedeuten, welche wiederum den Nahrungsmittel-Preisindex beeinflussen kann.