Rohmilch-Qualität

Eine einwandfreie Rohmilch-Qualität bildet die Basis für die Herstellung von hochwertigen Milchprodukten. Aufgrund der großen wirtschaftlichen Bedeutung hängt der Preis, den ein Landwirt für die von ihm angelieferte Milch erzielen kann, in hohem Ausmaß von deren Qualitätsmerkmalen ab.

Die Qualitätsfeststellung für die in Österreich produzierte Milch erfolgt in acht von der AMA aufgelisteten und regelmäßig kontrollierten Untersuchungslabors. Die rechtliche Grundlage dafür ist die Erzeuger-Rahmenbedingungen-Verordnung, die auf der EU-Verordnung 1308/2013 über eine gemeinsame Marktorganisation für landwirtschaftliche Erzeugnisse basiert. Die näheren Bestimmungen zu Probenahme und Untersuchung sind in einem AMA-Verlautbarungsblatt für den Bereich Marktordnungen und in AMA-Merkblättern festgelegt.

Was und wie häufig wird untersucht?

Von der Milch jedes landwirtschaftlichen Betriebes werden regelmäßig Proben gezogen. Folgende Inhaltsstoffe bzw. Qualitätskriterien werden untersucht:

Kriterium Mindestanzahl der Untersuchungen pro Monat
Fett 3
Eiweiß 3
Keimzahl 2
Somatische Zellen 2
Gefrierpunkt (zeigt eine evtl. Verwässerung der Milch an) 1
Hemmstoffe 1

Quelle: AMA

Vor-Ort-Kontrollen

Die AMA kontrolliert in den Labors vor Ort, ob die Untersuchungsgeräte korrekt justiert und gewartet werden und alle erforderlichen Kontrolluntersuchungen dokumentiert sind. Auch die Bedingungen der Probenlagerung und -identifikation sowie der Datentransfer zwischen Milchsammelwagen, Molkerei und Labor und die Rückverfolgbarkeit der Ergebnisse werden unter die Lupe genommen.

Messqualität im österreichischen und internationalen Vergleich

Um die Messgenauigkeit und das Messniveau der einzelnen Untersuchungsstellen mit einander vergleichen zu können, werden von der AMA in Zusammenarbeit mit der HBLFA Tirol monatliche Vergleichstests durchgeführt:

Dabei wird Milch, deren Zusammensetzung zuvor bestimmt wurde, in Probefläschchen abgefüllt, die an die teilnehmenden Labors versendet werden. Die Ergebnisse werden zurückgemeldet und bei der Auswertung miteinander in Beziehung gesetzt. Jedes Labor erhält anschließend einen Prüfbericht mit grafischer Darstellung, aus der für jedes Untersuchungsgerät sofort und übersichtlich abgelesen werden kann, wie es abgeschnitten hat.

Neben diesen österreichischen Tests werden im Rahmen der Mitarbeit der AMA im Arbeitskreis "Qualitätsuntersuchungen in Rohmilch" der "Arbeitsgruppe zur Förderung von Eutergesundheit und Milchhygiene in den Alpenländern (AFEMA)" zwei Mal jährlich internationale Vergleichstest durchgeführt. Im Jahr 2018 haben Labore aus Österreich, Deutschland, der Schweiz, Ungarn und Italien dieses Angebot genutzt.

Die Teilnehmer können ihre Ringtest-Ergebnisse online erfassen und auch sämtliche Auswertungen über das Internet abrufen. Das gesamte Programm einschließlich der Prüfberichte steht auch in Englisch zur Verfügung.

Darüber hinaus leistet der Vergleichstest seinen Beitrag zur Harmonisierung des Messniveaus in Österreich und dem internationalen Umfeld.

Probenahme - die Basis für richtige Ergebnisse

Eine noch so präzise Untersuchung im Labor kann falsche Ergebnisse liefern, wenn bei der Probenziehung Fehler passieren. Daher hat die Überprüfung der Probenahme-Geräte in den Milchsammelwagen einen hohen Stellenwert. Folgende Kriterien sind besonders wichtig:

Die Probe muss

  • den gesamten Inhalt des Hoftanks beim Milcherzeuger optimal repräsentieren und
  • unbeeinflusst von der Milch-Zusammensetzung der im Verlauf einer Sammeltour zuvor beprobten Betriebe sein.

Ein Milchsammelwagen darf daher nur dann zur Probenahme verwendet werden, wenn vor dem Ersteinsatz und dann zumindest einmal jährlich Prüfungen auf "Repräsentativität" und "Verschleppung" nach in AMA-Merkblättern festgelegten Vorgaben bestanden wurden. Diese Kontrollen für insgesamt ca. 320 in Österreich eingesetzte Probenahme-Anlagen werden von den Untersuchungslaboren durchgeführt. Die AMA dokumentiert die Ergebnisse und überwacht, dass nur gültige Sammelwagen zur Probenahme verwendet werden. Zudem stehen den beteiligten Laboren, Molkereien und Fuhrunternehmen online eine Reihe von Auswertungen zur Verfügung.

Qualitätskennzahlen

Im Jahr 2018 betrug der Anteil an Milch ohne Qualitätsabzüge 99,36 %. In die S-Klasse – mit den Kriterien von höchstens 50.000 Keimen/ml und höchstens 250.000 Zellen/ml – fielen 87,10% der angelieferten Rohmilch.

Detaillierte Ergebnisse finden Sie im Bereich Marktinformation für Milch und Milchprodukte

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