Exporte von EU-Schweinefleisch nur auf den ersten Blick stabil
Trotz beinahe unveränderter Gesamtmenge weichen die Drittlandexporte teilweise deutlich vom Vorjahr ab.
Die Exporte von Schweinefleisch (Zolltarifnummer 0203) aus der EU in Drittländer von Jänner bis August 2026 betrugen etwa 1,37 Mio. Tonnen. Damit lagen sie 1,7 % über der Menge des Vergleichszeitraums des Vorjahres. Die Verteilung auf die wichtigsten Bestimmungsländer änderte sich aber wesentlich. Nach China wurde unter anderem wegen Einfuhrzöllen um 29 % weniger Schweinefleisch exportiert. Dennoch blieb die Volksrepublik mit einem Anteil von 16,5 % der Gesamtmenge noch knapp an erster Stelle. Südkorea holte stark auf (+47 %) und erreichte einen Anteil von 15,2 %. Knapp dahinter folgte das Vereinigte Königreich mit 15,0 % (-6 % zum Vorjahr). Die Exporte nach Japan (Anteil 9,5 %) gingen ebenfalls sehr deutlich zurück (-23 %). Die Mengen, die nach Australien, Vietnam in die USA und in viele andere Länder gingen, legten im zweitstelligen Prozentbereich zu.
Quelle: Europäische Kommission
Geringere Erlöse
Aufgrund des niedrigeren Preisniveaus lagen die Drittlandexporte von Schweinefleisch in den ersten acht Monaten wertmäßig mit knapp 3,6 Mrd. Euro um 12,4 % unter dem Vorjahr. Zudem ergaben die unterschiedlichen Erlöse in den Bestimmungsländern eine andere Reihenfolge: Hier lag Südkorea mit einem Anteil von 18 % an erster Stelle vor dem Vereinigten Königreich (15 %), Japan (14 %) und China (13 %). Südkorea, Australien, die USA und die anderen Bestimmungsländer erzielten dank des mengenmäßigen Zuwachses auch ein wertmäßiges Plus.
Spanien trotz Rückgangs führend
Trotz eines Minus von 13 % zu 2025 war Spanien mit knapp einem Drittel aller Exporte noch das mit Abstand wichtigste Herkunftsland der EU-Exporte. Hauptgrund für die starken Rückgänge der Lieferungen nach China und Japan waren die Importbeschränkungen dieser Länder als Folge des Ausbruchs der Afrikanischer Schweinepest (ASP) in Spanien. Zunahmen der Exporte nach Südkorea und in andere Länder konnten den Rückgang nur teilweise ausgleichen.
Dänemark profitierte von den Problemen Spaniens. Vor allem durch vermehrte Lieferungen nach Japan und Australien kam ein Plus von 15 % zustande. Bei den Niederlanden änderte sich die Gesamtmenge nur wenig, es gab aber enorme Verschiebungen von China nach Japan. Deutschland steigerte die Drittlandexporte um 43 %. Die Zuwächse gingen in das Vereinigte Königreich, nach Südkorea (von 400 auf fast 35.000 t) und in die Ukraine.
Quelle: Europäische Kommission
Selbstversorgungsgrad 116 %
Die Europäische Union produziert mehr Schweinefleisch als sie verbraucht, sie ist der größte Exporteur weltweit. Seit 2023 liegt der Selbstversorgungsgrad der EU relativ stabil bei ca. 116 %. 2020 betrug dieser Wert aber noch 126 %. Die Folgen der ASP führten in Deutschland nicht nur zu einem Einbruch der Drittlandexporte, insbesondere nach Asien, sondern auch zu einem Schrumpfen der Schweinefleischproduktion.
Mehr als den Eigenbedarf zu produzieren, ist aus wirtschaftlicher Sicht sinnvoll, da die Stückkosten gesenkt werden und Teilstücke, die in Europa nicht gefragt sind, auf anderen Absatzmärkten Abnehmer finden. Das Beispiel Deutschland zeigt aber auch die Risiken. Die Krisen der letzten Jahre haben zu zahlreichen Verwerfungen im internationalen Handel geführt.