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19.07.2022

EU Ausblick: keine Ausweitung der europäischen Geflügelproduktion

Die EU-Kommission sieht für 2022 trotz der hohen Masthühnerpreise eine stagnierende Geflügelproduktion. Grund dafür sind die anhaltend hohen Inputkosten und die bisher stärkste Vogelgrippe-Epidemie in Europa.

Die EU-Kommission nennt im jüngsten Bericht zur Marktentwicklung die Geflügelpest als limitierenden Wachstumsfaktor. Die Vogelgrippe wurde seit Oktober des Vorjahres in 21 EU-Ländern nachgewiesen, wobei Frankreich, Italien und Ungarn besonders stark von Ausbrüchen auf Geflügelbetrieben betroffen waren. In Frankreich sind die Auswirkungen auf die Fleischerzeugung trotz der hohen Keulungszahlen moderat – die Geflügelproduktion könnte bis Jahresende mit 0,5 % sogar leicht steigen. Im Gegensatz dazu wird in Italien mit einem starken Rückgang von 10,5 % gerechnet, die Erzeugung in Ungarn soll um 9 % zurückgehen.

Die hohen Inputpreise, die voraussichtlich mindestens bis Ende 2022 anhalten, stehen einer Ausweitung der Geflügelproduktion ebenfalls entgegen. Die größten Erzeugerländer Spanien und Polen werden 2022 voraussichtlich ein Wachstum von 2,4 % bzw. 2,5 % aufweisen. Insgesamt soll die Produktion in der EU stabil bleiben. Der Inlandsverbrauch könnte 2022 um 0,9 % leicht zunehmen.

EU-Geflügelimporte aus der Ukraine wieder auf Vorjahresniveau

Die Einfuhren aus der Ukraine wurden wieder aufgenommen und haben ein ähnliches Volumen wie in den letzten Jahren erreicht. Da die Ukraine ab Juni 2022 zoll- und quotenfreien Zugang zum EU-Markt erhält, könnten die Importe weiter ansteigen. Aufgrund der Blockade der Schwarzmeerhäfen sind zudem große Mengen an Getreide verfügbar. Insgesamt wird erwartet, dass die Einfuhren der EU im Jahr 2022 um 16,5 % anziehen werden. Die Belebung des Außer-Haus-Konsums dürfte die Importe weiter in die Höhe treiben.

Die EU-Kommission schätzt, dass die Geflügelexporte mit 0,9 % moderat ansteigen werden. Der Handel mit dem Vereinigten Königreich hat wieder Vor-Brexit-Niveau erreicht, aber die EU verliert auf anderen Exportmärkten etwas an Boden. Aufgrund der Geflügelpest werden die EU-Ausfuhren – insbesondere in afrikanische und asiatische Länder – durch regionale oder landesweite Verbote eingeschränkt. In den USA hat sich die Vogelgrippe seit Anfang 2022 stark ausgebreitet; derzeit sind 36 Bundesstaaten betroffen. Im Gegensatz dazu konnte Brasilien die begrenzte Produktion der USA und der EU nutzen, um seinen Anteil an den Weltmärkten auszubauen.

DI Reiterer, 19.07.2022

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