2026: EU importiert deutlich mehr Geflügelfleisch
Die EU-Importe von Geflügelfleisch aus Drittländern nahmen im ersten Halbjahr 2026 deutlich zu. Besonders Brasilien weitete seine Lieferungen in die Union aus. Nach dem vorläufigen Importstopp im September, der aufgrund fehlender Nachweise zur Einhaltung der EU-Antibiotikavorgaben verhängt wurde, wird eine baldige Wiederaufnahme der brasilianischen Lieferungen erwartet.
Nach Angaben der Europäischen Kommission stiegen die EU-Einfuhren von Geflügelfleisch im ersten Halbjahr 2026 auf rund 573.000 t Schlachtgewicht. Das entspricht einem deutlichen Zuwachs von 13 % gegenüber dem Vorjahr. Vor allem Brasilien – das wichtigste Herkunftsland für die Europäische Union – weitete seine Liefermengen um 44 % deutlich aus und lieferte insgesamt 264.000 t. Seit dem 3. September 2026 sind die Importe jedoch vorläufig ausgesetzt, da Brasilien die Einhaltung der EU-Vorgaben beim Einsatz antimikrobieller Wirkstoffe bislang nicht ausreichend nachweisen konnte. Nach einem positiven Audit der EU-Kommission wird die Wiederzulassung brasilianischer Geflügelfleischimporte für Oktober bzw. November erwartet. Voraussetzung ist die Zustimmung der EU-Mitgliedstaaten. Es ist davon auszugehen, dass Brasilien Lieferungen im Vorfeld des Importstopps teilweise vorgezogen hat, was die außergewöhnlich hohen Einfuhrmengen in den Monaten Mai und Juni erklären könnte. Mit Blick auf die weitere Marktentwicklung bleibt auch das seit 1. Mai 2026 vorläufig angewendete EU-Mercosur-Abkommen von Bedeutung. Dieses sieht für die Mercosur-Staaten eine jährliche zollbegünstigte Importquote von 180.000 t Geflügelfleisch vor.
Aus der Ukraine, dem zweitwichtigsten Herkunftsland, stiegen die Einfuhren um 22 % auf rund 118.000 t. Thailand, das seine Lieferungen bereits im Vorjahr deutlich ausweiten und sich als drittwichtigster Lieferant etablieren konnte, verlor in der ersten Jahreshälfte leicht an Marktanteilen. Die Einfuhren beliefen sich auf rund 89.000 t und lagen damit um 3 % unter dem Vorjahresniveau. Dabei handelt es sich überwiegend um verarbeitete Geflügelprodukte, insbesondere gegartes Hühnerfleisch und Geflügelzubereitungen.
Deutlich rückläufig entwickelten sich auch die Importe aus dem Vereinigten Königreich. Die EU bezieht von dort vor allem frisches und gekühltes Hühnerfleisch. In der ersten Jahreshälfte gingen die Einfuhren um 32 % auf rund 61.000 t zurück. Wertmäßig stiegen die Geflügelfleischeinfuhren der EU im Vergleich zum Vorjahr um knapp 6 % auf insgesamt 1,47 Mrd. Euro.
Vereinigtes Königreich bleibt wichtigster Abnehmer von EU-Geflügelfleisch
Im ersten Halbjahr 2026 exportierten die Mitgliedstaaten der Europäischen Union rund 1,04 Mio. t Geflügelfleisch in Drittländer und damit knapp 2 % mehr als im Vorjahreszeitraum. Wichtigster Handelspartner blieb das Vereinigte Königreich, das mit knapp 362.000 t mehr als ein Drittel der gesamten EU-Ausfuhren aufnahm. Dahinter folgten Ghana und die Demokratische Republik Kongo mit 103.000 t bzw. 65.000 t. Zusammen entfielen auf diese beiden Absatzmärkte rund 16 % der EU-Geflügelfleischexporte.
Auch wertmäßig entwickelte sich das Exportgeschäft positiv: Die Erlöse der EU-Mitgliedstaaten stiegen in der ersten Jahreshälfte 2026 um rund 2 % auf mehr als 2,62 Mrd. Euro.