Verwendung und Absatz von Milch im Jahr 2024
Wohin floss diese Rohmilch? Was wurde daraus hergestellt? Dieser Bericht analysiert die Milchverarbeitung und den Absatz auf Basis des Trockenmasse-Äquivalents (Fett und Eiweiß) in den österreichischen Molkereien und Käsereien.
Im Kalenderjahr 2024 wurden 4.020.699 Tonnen Rohmilch in Österreich produziert, das bedeutet eine Produktionssteigerung von 1 % gegenüber 2023. Diese Rohmilchmenge stammt von 21.557 heimischen Betrieben mit insgesamt 539.414 Milchkühen, deren Bestand im Vergleich zum Vorjahr um 1,3 % rückläufig war.
Die Verwendung der Rohmilch gliederte sich wie folgt:
Direkte menschliche Ernährung am Erzeugerhof: 136.956 Tonnen, teilweise über Direktvermarktung abgesetzt
• Verfütterung an Milchkälber und andere Haustiere: 260.640 Tonnen
• Lieferungen an Molkereien und Käsereien: 3.584.468 Tonnen
o davon 202.905 Tonnen an Molkereien in anderen EU-Mitgliedsstaaten
o 3.381.564 Tonnen (84,1 % der Gesamtproduktion) an österreichische Molkereien und Käsereien
Des Weiteren wurde wie immer ein kalkulatorischer Schwund von 1 % der Produktion berücksichtigt. Nach Abzug von Versandmengen und Verlusten verblieben den heimischen Molkereien und Sennereien 3.052.980 Tonnen Rohmilch zur Verarbeitung.
Die Daten können in der jährlich erscheinenden Veröffentlichung der Statistik Austria über die „Milcherzeugung und -verwendung“ sowie im „Milch – Jahresbericht Österreich“ der Agrarmarkt Austria nachgelesen werden.
Ergebnisse
Aus dieser Berechnung ergibt sich nun folgendes Resümee:
Gesamtabsatz nach Produktgruppen
Trinkmilch
564.784 Tonnen Verarbeitungsmilch-Äquivalent wurden für die Trinkmilchproduktion eingesetzt. Hier zeichnet sich seit Jahren ein fast unverändertes Bild ab. Mit 6,6 % rangiert die pasteurisierte Trinkmilch (Frischmilch) an letzter Stelle. ESL-Milch (extended shelf life oder auch unter „länger frisch“ bekannt) kam auf 43,7 % Verarbeitungsmilch-Äquivalent und die UHT-Milch (ultra-high temperature, „Haltbarmilch“) auf 49,7 %.
Rahm
Für die Produktion von Süß- und Sauerrahm wurden 286.448 Tonnen Verarbeitungsmilch-Äquivalent benötigt. In dieser Produktgruppe hat sich im Vergleich zum Vorjahr ebenfalls nicht wirklich etwas geändert. Süßrahm ESL macht mit 57,2 % den größten Anteil aus, gefolgt von Sauerrahm mit 23,6 % Verarbeitungsmilch-Äquivalent.
Butter
Der Anteil in Verarbeitungsmilch-Äquivalent von Tee-, Tafel- und Molkenrahmbutter sowie von Mischbuttererzeugnissen betrug in Summe 367.200 Tonnen (+ 8.571 t zum Vorjahr), dies bedeutet einen Anteil von 11,9 % am Gesamtabsatz.
Mischtrunk
Diese Kategorie umfasst alles von der angesäuerten Milch mit und ohne Fruchtzusätze, über Joghurt, Fruchtjoghurt und Kefir bis hin zu Kakao, Vanillemilch, Milchdrinks, Pudding und konzentrierter Milch. Der Verarbeitungsmilch-Äquivalent-Anteil betrug 375.116 Tonnen oder 12,2 %. – es wurden um 5.251 t mehr in dieser Produktgruppe verarbeitet. Innerhalb dieses Segmentes macht Joghurt (natur) mit 68.721 Tonnen Verarbeitungsmilch-Äquivalent den größten Anteil aus. Danach folgen Milch mit sonstigen Zusätzen (ultrahocherhitzt) mit 58.128 Tonnen Verarbeitungsmilch-Äquivalent und Fruchtjoghurt mit 49.322 Tonnen. Schlusslicht ist Vanillemilch mit 25 Tonnen.
Käse und Topfen
In dieser Gruppe wurde auch 2024 der größte Anteil an Verarbeitungsmilch-Äquivalent eingesetzt - 1.483.696 Tonnen, das sind 48,2 % des Gesamtabsatzes. Aufgeteilt in die einzelnen Unterkategorien entfielen 37,4 % an Schnittkäse, 22,2 % an Hartkäse, 20 % an Frischkäse und 11,9 % an Weichkäse sowie 8,5 % an Topfen.
Aufteilung in Inlandsabsatz und Export
Trinkmilch
Nach wie vor wird der größte Anteil an pasteurisierter Trinkmilch und ESL-Milch im Inland auf den Markt gebracht. 2/3 der UHT-Milch, sprich 65,3 %, werden exportiert. In Summe werden 42,8 % der gesamten erzeugten Trinkmilch in andere Länder ausgeführt; d.h. am Exportverhältnis in dieser Kategorie hat sich gegenüber dem Vorjahr nichts verändert.
Rahm
Wie auch im Trinkmilchsektor so wird auch hier Süßrahm pasteurisiert und Süßrahm ESL vor allem am Inlandsmarkt vertrieben. Wohingegen UHT-Süßrahm zu 71,6 % für den Export produziert wird. Sauerrahm wiederum findet seine Käufer mit 88 % am inländischen Markt.
Butter
Der Exportanteil an Butter schrumpfte in den letzten Jahren und belief sich im Jahr 2023 mit 4 % auf dem Tiefststand. Im Jahr 2024 legte der Exportanteil mit 4,7 % minimal zu. Die in hiesigen Molkereien produzierte Butter wird traditionell am österreichischen Markt abgesetzt.
Mischtrunk
In dieser Kategorie konnte der Exportanteil einmal mehr stark gesteigert werden und liegt nun bei 68,3 %. Die heimischen Milchmischprodukte konnten erneut am ausländischen Markt mit ihrer Qualität nachhaltig überzeugen. Einige Produkte in diesem Segment werden hauptsächlich für den ausländischen Markt produziert und verzeichnen einen Exportanteil von über 90 %.
Käse und Topfen
Die qualitativ hochwertigen Produkte in diesem Segment sind sowohl am inländischen als auch am ausländischen Markt sehr gefragt. Der Exportanteil von Hartkäse, Weichkäse und Frischkäse liebt bei über 50 %. Bei Schnittkäse beträgt der Exportanteil 43,1 % und bei topfen 16,3 %.
Nach wie vor wird der überwiegende Anteil der österreichischen Milchprodukte am inländischen Markt abgesetzt (58,6 %). Weiterhin gilt es, neue Exportmärkte zu erschließen und die bereits bestehenden zu pflegen ist Voraussetzung um auch weiterhin die Waage zwischen Milcherzeugung und Absatz halten zu können.
Methodik
Als Basis für diese Arbeit dienten die Milch-Monatsmeldungen sowie die einmal im Jahr zur Verfügung stehenden Exportmeldungen der heimischen Molkereien und Käsereien.
Nach Abzug der exportierten Tankmilch und jener für die Pulverproduktion sowie Lieferungen an die Nahrungsmittelindustrie und der Magermilch zur Verfütterung blieb eine verarbeitete Milchmenge in den Molkereien und Käsereien von 3.015.270 Tonnen mit einem durchschnittlichen Fettgehalt von 4,40 % sowie einem Eiweißgehalt von 3,39 % übrig.
Um den Milcheinsatz für die Erzeugung der unterschiedlichen Milchprodukte miteinander vergleichen zu können, wurde bei dieser Berechnung die bezahlte Trockenmasse von Fett und Eiweiß als Basis gewählt.
Die für die Produktion eingesetzte Milch wird in Trockenmasse-Äquivalent ohne Berücksichtigung des Lactoseanteils und der Spurenelemente ausgewiesen. Dieses Trockenmasse-Äquivalent dient als Basis zur Berechnung der in einem Milchprodukt verarbeiteten Milchmenge. Ein Trockenmasse-Äquivalent (7,79 %) entspricht dem durchschnittlichen Fett- und Proteingehalt eines Kilogramms Verarbeitungsmilch und erlaubt somit die Berechnung einzelner Milchprodukte in jener Größe, die die eingesetzte Milch widerspiegelt.
Als erster Schritt wurden die eingesetzten Fett- und Eiweißmengen für die einzelnen Produkte erhoben bzw. berechnet und auf Basis der erzeugten Menge gewichtet. Als zweiter Schritt folgte die Umlage der errechneten Trockenmasse von der Produktion auf den Absatz. Auf Basis der von den Molkereien und Käsereien gemeldeten Exportmengen wurde letztlich auch für diesen Anteil das Trockenmasse-Äquivalent berechnet um eine fundierte Aussage, über die Verteilung der von österreichischen Molkereien und Käsereien erzeugten Milchprodukte in Inlandsverbrauch und Exportanteil, treffen zu können.