Marktübersicht international Kartoffeln

28.02.2019 Lagerbestände neigen sich europaweit dem Ende zu, Frühkartoffelsaison 2019 ist angelaufen

Mehr denn je machen sich die Auswirkungen des letztjährigen Rekordsommers bemerkbar. Aber nicht nur in Österreich, auch europaweit ächzen viele Landwirte unter den hohen Absortierungen.

Ein Rückblick…
Die Auspflanzungen, als auch die Entwicklung der Knollen war bis Juni letzten Jahres zufriedenstellend und bundesweit starteten die Vermarkter mit Zuversicht in die neue Saison. Die Läger waren faktisch geräumt und durch das überaus wüchsige Frühjahr (April, Mai) stiegen die verfügbaren Mengen rasch an. Konflikte mit Importware aus Spanien, Israel und Ägypten als auch eine Überversorgung an hiesigen Frühkartoffeln drückten die Preise. Mit Ende Juli hatte sich das Blatt auf den internationalen Märkten gewendet. Eine ausgedehnte Hitzeperiode über Mitteleuropa führte zu Stress in den Kulturen. Eingeschränktes Knollenwachstum, Kindelbildung, Schaddruck, Bodenverkrustungen und in letzter Konsequenz hohe Ertragsausfälle waren die Folge. Die Verarbeitungsindustrie schlug Alarm und räuberte die noch verbliebenen Speisefrühkartoffeln. Intensive Beregnung führte zusätzlich zu Preisaufschlägen. So flott die Lagerbestände anstiegen, sanken diese auch wieder.
 

Sowohl Österreich als auch weite Teile Resteuropas hatten mit Minderernten zu kämpfen. Dabei konnte die Bundesrepublik mit 698.000 t zumindest theoretisch eine Durchschnittsernte einfahren. Konkret 6,8 % über 2017 und 8,3 % unter dem zehnjährigen Mittel. Praktisch aber sind bis zu 50 % der Knollen aufgrund grober Mängel schwer bis gar nicht zu vermarkten.


Die Gesamtproduktion an Kartoffeln (inkl. Verarbeitung) der EU-28 hatte 2018 um 15 % verloren und liegt mit 8,6 % unter dem siebenjährigen Mittel.

Die Marktlagen ausgewählter Mitgliedsstaaten im Detail
Deutschland -24 % Ernteeinbußen zu 2017. Mit Ende Dezember waren die Kartoffelvorräte um 35 % geringer als zum korrespondierendem Zeitraum 2017. Die Landwirte geben nach wie vor bereitwillig ab, da die Konditionen merklich nachlassen. Pflanzkartoffel sind, wie auch in Österreich, knapp und teuer.
Polen -17 %. Die nationalen Vorräte werden als bedarfsdeckend eingeschätzt. Die Knollen sind kleinfallend und die Qualitäten lassen sehr zu wünschen übrig.
In den Niederlanden mussten die Produzenten -22 % bei Speise- und Verarbeitungskartoffeln und -18 % bei Pflanz- und Stärkekartoffeln hinnehmen. Exporte kommen aus Mangel an Ware und hohen Preisen, besonders Richtung Afrika und Asien, nicht in Schwung. Auch in Holland sind Pflanzkartoffel ein äußerst gefragtes Gut.
Belgien, neben Holland größter europäischer Frittenexporteur ist mit einem Ernteausfall von 20 % zum Vorjahr besonders betroffen. Belgien hat weltweite Lieferverpflichtungen und in dieser Kampagne große Schwierigkeiten diesen nachzukommen. Die hohen Rohstoffpreise bei unterdurchschnittlichen Qualitäten machen Probleme. Die Nachfrage nach spanischen Frühkartoffeln wird als entsprechend hoch eingeschätzt.
Frankreich wurde im letzten Jahr von klimatischen Extremen während der Vegetationsperiode im Großen und Ganzen verschont und konnte mit 8,5 Mio. Tonnen und -7 % zum Vorjahr eine, den Umständen entsprechend, gute Ernte einfahren. Neben einem starken Abverkauf im Inland konnte auch der Export um 10% gesteigert werden. Die Nachfrage nach französischer Ware bleibt europaweit, vor allem aus Spanien und Italien, ungebrochen.
Spanien hat die Kartoffelfläche für 2019 ausgedehnt, jedoch den Anbau für den Export erneut eingeschränkt. Ein Großteil der spanischen Produzenten bleibt bevorzugt auf der sicheren Seite und schließt Festpreiskontrakte mit nationalen Handelsketten ab. Die Auspflanzungen sind dort bereits abgeschlossen. Der Witterungsverlauf bisher war positiv.

Einschätzungen zum weiteren Marktverlauf
Die Lagerbestände werden heuer europaweit definitiv schneller zu Ende gehen als üblich. Die nationalen Märkte sind alle sehr aufnahmefähig und aus den klassischen Frühkartoffelregionen Südeuropas wird kein übermäßiger Angebotsdruck erwartet.

Obwohl weitere Preissteigerungen nicht ausgeschlossen werden, sind österreichische Landwirte abgabebereit, denn die Lagerbedingungen sind nicht immer optimal und die Konditionen lassen nach. Ende März könnte die letzte alterntige Ware über den Ladentisch gehen. Erste Frühkartoffeln aus Ägypten und Zypern sind bereits eingetroffen und liegen in heimischen Filialen auf. Nennenswerte Mengen aus Israel werden, wenn überhaupt, aufgrund kalt, nasser Witterung vorrausichtlich 1-2 Wochen später, also Mitte/Ende März, eintreffen.Ob es im Bundesgebiet zu Engpässen an heimischen Erdäpfeln kommen wird hängt naturgemäß davon ab, ob das Wetter mitspielt und wann die ersten Frühkartoffeln gerodet werden können. Nach der Ernte, ist vor der Ernte. Im Burgenland wurden bereits die ersten Schläge unter Folie ausgepflanzt.

Renhardt BSc, 28.02.2019