FAO-Preisindex im April 2024

19.06.2024 FAO-Nahrungsmittelpreisindex leicht gestiegen: Höhere Preise für Getreide und Milchprodukte gleichen nachlassende Notierungen für Zucker und Pflanzenöl aus

Der FAO-Nahrungsmittel-Preisindex stellt eine Maßzahl für die monatliche Änderung der Preise auf den internationalen Märkten dar. Er ist der gewogene Durchschnitt getrennt ermittelter Preisindizes von 5 verschiedenen Produktgruppen (Getreide, pflanzliche Öle, Zucker, Milchprodukte, Fleisch) und repräsentiert insgesamt 73 weltweite Notierungen. Die Gewichtung der 5 Teil-Indizes erfolgt anhand der Exportanteile der jeweiligen Produktgruppe in den Jahren 2014-2016. Die nachträgliche Berichtigung der Indexreihe ist möglich und üblich. Daher muss für Vergleichszwecke immer die allerjüngste Ausgabe des FAO-Nahrungsmittel-Preisindexes herangezogen werden.

FAO-Nahrungsmittel-Preisindex für einzelne Produktgruppen und gesamt:


Mai 2024
April 2024 - berichtigt
 Getreide118,7
111,6
 Pflanzliche Öle127,8
130,9
 Milchprodukte126,0
123,8
 Fleisch116,6
116,8
 Zucker117,1
126,6
 FAO-Nahrungsmittel-Preisindex120,4
119,3


Der FAO-Nahrungsmittel-Preisindex lag im Mai 2024 bei 120,4 Punkten und damit um (+0,9 %) über dem revidierten Wert vom April, da der Anstieg der Preisindizes für Getreide und Molkereiprodukte den Rückgang der Indizes für Zucker und pflanzliche Öle etwas mehr als ausglich, während der Fleischpreisindex nahezu unverändert blieb. Obwohl er im Mai den dritten monatlichen Anstieg in Folge verzeichnete, blieb der FAO-Nahrungsmittel-Preisindex (FFPI) um -3,4 % unter seinem entsprechenden Wert vor einem Jahr und -24,9 % unter dem im März 2022 erreichten Höchststand.

Der FAO-Getreide-Preisindex lag im Mai bei durchschnittlich 118,7 Punkten und damit (+6,3 %) höher als im April, aber immer noch (-8,2 %) unter dem Wert vom Mai 2023. Die weltweiten Exportpreise für alle wichtigen Getreidesorten stiegen im Monatsvergleich, wobei die Weizenpreise am stärksten zunahmen. Der starke monatliche Anstieg war vor allem auf die wachsende Besorgnis über ungünstige Erntebedingungen für die Ernte 2024, zurückzuführen, die die Erträge in einigen Haupterzeugungsgebieten mehrerer wichtiger Exportländer, darunter in Teilen Europas, Nordamerikas und der Schwarzmeerregion, möglicherweise einschränken. Darüber hinaus verschärften Schäden an der Schifffahrtsinfrastruktur im Schwarzen Meer den Aufwärtsdruck auf die Preise. Die Maisexportpreise stiegen im Mai ebenfalls an, was auf Produktionssorgen sowohl in Argentinien (aufgrund von Ernteschäden durch die Ausbreitung der Spiroplasma-Krankheit) als auch in Brasilien (wegen ungünstiger Witterungsbedingungen) sowie auf eine begrenzte Verkaufsaktivität der Landwirte in der Ukraine angesichts eines saisonal bedingten Angebotsmangels und einer starken weltweiten Nachfrage zurückzuführen. Spillover-Effekte von den Weizenmärkten wirkten sich auch auf die Maispreise aus. Bei anderen Grobgetreidearten stiegen die Weltmarktpreise für Gerste und Sorghum im Mai ebenfalls an.

Der FAO-Preisindex für Reis stieg im Mai um +1,3 %, was auf höhere Indica-Notierungen zurückzuführen war, die durch die Erwartung von Verkäufen nach Indonesien und Brasilien und den nachlassenden Erntedruck beeinflusst wurden.

Der FAO-Pflanzliche-Öle-Preisindex lag im Mai bei durchschnittlich 127,8 Punkten und damit (-2,4 %) niedriger als im Vormonat, aber +7,7 % über dem Vorjahresniveau. Der Indexrückgang war hauptsächlich auf die niedrigeren Palmölnotierungen zurückzuführen, die die höheren Preise für Soja-, Raps- und Sonnenblumenöl mehr als ausglichen. Die internationalen Palmölpreise gingen im Mai den zweiten Monat in Folge zurück, da die Produktion in den wichtigsten Erzeugerländern Südostasiens angesichts der anhaltend schwachen weltweiten Importnachfrage saisonal anstieg. Im Gegensatz dazu zogen die Weltmarktpreise für Sojabohnenöl im Mai wieder an, was im Wesentlichen auf die steigende Nachfrage aus dem Biokraftstoffsektor, insbesondere in Brasilien, zurückzuführen war. Unterdessen zogen auch die Preise für Sonnenblumen- und Rapsöl an, was vor allem auf saisonal abnehmende Exportmöglichkeiten in der Schwarzmeerregion und die Wahrscheinlichkeit einer Verknappung des Angebots in der kommenden Saison 2024/25 zurückzuführen ist.

Der FAO-Fleisch-Preisindex* lag im Mai bei durchschnittlich 116,6 Punkten und damit geringfügig (- 0,2 %) unter dem Wert vom April und (-1,3 %) unter dem entsprechenden Wert vor einem Jahr. Die internationalen Preise für Geflügel- und Rinderfleisch gingen zurück, während sie für Schweine- und Schaffleisch stiegen. Der Rückgang der Welt-marktpreise für Geflügelfleisch spiegelte das gestiegene Exportangebot bei geringerer Binnennachfrage in einigen wichtigen Erzeugerländern wider, während der leichte Rückgang der Rinderfleischpreise auf eine schleppende Importnachfrage in Verbindung mit einem reichlichen Exportangebot aus Ozeanien zurückzuführen war. Der Anstieg der Weltmarktpreise für Schweinefleisch im Vergleich zum Vormonat wurde dagegen durch einen Nachfrageanstieg und eine anhaltende Angebotsknappheit, vor allem in Westeuropa, gestützt. Unterdessen stiegen die Preise für Schaffleisch aufgrund höherer globaler Käufe, trotz des reichlichen exportierbaren Angebots in Ozeanien.

Der FAO-Milchprodukte-Preisindex erreichte im Mai einen Durchschnittswert von 126,0 Punkten und lag damit um (+1,8 %) höher als im April und um  (+3,5 %) über dem entsprechenden Wert des Vorjahres. Die internationalen Preisnotierungen für alle im Index vertretenen Molkereiprodukte stiegen im Mai. Die gestiegene Nachfrage des Einzel-handels und der Lebensmittelbranche vor den Sommerferien und die Markterwartung, dass die Milcherzeugung in Westeuropa unter das historische Niveau fallen könnte, sowie die saisonal bedingte Abschwächung der Milcherzeugung in Ozeanien haben den Anstieg der Notierungen für Milchprodukte im Mai unterstützt. Darüber hinaus trug die erneute Importnachfrage nach Spotlieferungen, insbesondere aus einigen Ländern des Nahen Ostens und Nordafrikas, zum Anstieg der Milchpreise bei.

Der FAO-Zucker-Preisindex lag im Mai bei durchschnittlich 117,1 Punkten und damit      (-7,5 %) niedriger als im April. Dies ist der dritte monatliche Rückgang in Folge, wobei der Index um (-25,5 %) unter seinem Wert vom Mai letzten Jahres liegt und den niedrigsten Stand seit Januar 2023 erreicht hat. Der Rückgang der internationalen Zuckernotierungen im Mai war vor allem auf den guten Start der neuen Erntesaison in Brasilien zurück-zuführen, der durch günstige Wetterbedingungen unterstützt wurde, die zu einer Verbesserung der globalen Angebotsaussichten beitrugen. Größere Exportmöglichkeiten aus Brasilien und niedrigere internationale Rohölpreise übten weiteren Abwärtsdruck auf die Zuckerpreise aus.

*im Unterschied zu den anderen Warengruppen sind die meisten Preise, die in die Kalkulation des FAO-Fleisch-Preisindex einfließen, zum Zeitpunkt der Errechnung und Veröffentlichung des Preisindex noch nicht verfügbar. Deshalb war der Wert des Fleisch-Preisindex in den meisten der letzten Monate eine Mischung aus vorausgesagten und beobachteten Preisen. Das kann in bestimmten Fällen eine deutliche Revision des endgültigen Wertes des FAO-Fleisch-Preisindex bedeuten, welche wiederum den Nahrungsmittel-Preisindex beeinflussen kann.

Kellner, 19.06.2024

Detaillierter Überblick:

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