FAO-Preisindex im August 2022

08.09.2022 Der FAO-Nahrungsmittelpreisindex fällt im August den fünften Monat in Folge

Der FAO-Nahrungsmittel-Preisindex stellt eine Maßzahl für die monatliche Änderung der Preise auf den internationalen Märkten dar. Er ist der gewogene Durchschnitt getrennt ermittelter Preisindizes von 5 verschiedenen Produktgruppen (Getreide, pflanzliche Öle, Zucker, Milchprodukte, Fleisch) und repräsentiert insgesamt 73 weltweite Notierungen. Die Gewichtung der 5 Teil-Indizes erfolgt anhand der Exportanteile der jeweiligen Produktgruppe in den Jahren 2014-2016. Die nachträgliche Berichtigung der Indexreihe ist möglich und üblich. Daher muss für Vergleichszwecke immer die allerjüngste Ausgabe des FAO-Nahrungsmittel-Preisindexes herangezogen werden.

FAO-Nahrungsmittel-Preisindex für einzelne Produktgruppen und gesamt:


August 2022Juli 2022 - berichtigt
Getreide145,2147,3
Pflanzliche Öle163,3168,8
Milchprodukte143,5146,5
Fleisch122,7124,6
Zucker110,4112,8
FAO-Nahrungsmittel-Preisindex138,0140,7


Der FAO-Nahrungsmittel-Preisindex lag im August 2022 bei durchschnittlich 138,0 Punkten und damit um 2,7 Punkte (-1,9 %) niedriger als im Juli und verzeichnete damit den fünften monatlichen Rückgang in Folge. Trotz des jüngsten Rückgangs lag der Index immer noch um 10,1 Punkte (+7,9 %) über dem Wert von vor einem Jahr. Alle fünf Teilindizes des FFPI gingen im August moderat zurück, wobei die monatlichen prozentualen Rückgänge zwischen -1,4 % für Getreide und -3,3 % für Pflanzenöle lagen.

Der FAO-Getreide-Preisindex lag im August bei durchschnittlich 145,2 Punkten und damit 2,0 Punkte (-1,4 %) niedriger als im Juli, aber immer noch 14,8 Punkte (+11,4 %) über dem Wert vom August 2021. Im August sanken die internationalen Weizenpreise um -5,1 % und damit den dritten Monat in Folge. Ausschlaggebend dafür waren die verbesserten Produktionsaussichten, insbesondere in Kanada, den USA und Russland, sowie die höhere saisonale Verfügbarkeit, da die Ernten in der nördlichen Hemisphäre fortgesetzt wurden und die Exporte aus der Ukraine zum ersten Mal nach über fünf Monaten Unterbrechung wieder aufgenommen wurden. Dennoch blieben die Weltmarktpreise für Weizen um +10,6 % über den Werten vom August letzten Jahres. Die internationalen Preise für Grobgetreide stiegen im August geringfügig (+0,2 %) und lagen im Durchschnitt +12,4 % über ihren Vorjahreswerten. Die Weltmarktpreise für Mais haben sich mit einem Plus von +1,5 % leicht gefestigt, was vor allem auf die geringeren Produktionsaussichten in der EU und der USA aufgrund der heißen und trockenen Bedingungen zurückzuführen ist. Die Wiederaufnahme der Exporte aus der Ukraine verhinderten einen weiteren Preisanstieg. Die Weltmarktpreise für Gerste und Sorghum sanken um -3,8 % bzw. -3,4 %. Der FAO-Gesamtreispreisindex blieb im August stabil, da leichte Rückgänge bei den Notierungen der am meisten gehandelten Indica-Sorten leichte Preissteigerungen in anderen Reis-Marktsegmenten ausglichen.

Der FAO-Pflanzliche-Öle-Preisindex erreichte im August einen Durchschnittswert von 163,3 Punkten und lag damit um 5,5 Punkte (-3,3 %) niedriger als im Vormonat, so dass der Indexwert leicht unter dem Niveau des Vorjahres lag. Der anhaltende Rückgang des Index war auf die niedrigeren Weltmarktpreise für Palm-, Sonnenblumen- und Rapsöl zurückzuführen, die die höheren Notierungen für Sojaöl mehr als ausglichen. Die internationalen Palmölpreise fielen im August den fünften Monat in Folge, was auf steigende Exportmöglichkeiten aus Indonesien, vor allem dank niedrigerer Ausfuhrsteuern, sowie auf saisonal steigende Produktionsmengen in Südostasien zurückzuführen war. In der Zwischenzeit sanken die Weltmarktpreise für Sonnenblumenöl aufgrund der anhaltend gedämpften weltweiten Importnachfrage, die mit der allmählichen Wiederaufnahme der Verschiffungen aus der Ukraine zusammenfiel. Die internationalen Notierungen für Rapsöl fielen im August ebenfalls, da für die kommende Saison 2022/23 ein reichliches Angebot erwartet wird. Im Gegensatz dazu erholten sich die Weltmarktpreise für Sojaöl nur mäßig, was vor allem auf die Besorgnis über die Auswirkungen der ungünstigen Witterungsbedingungen auf die Sojaproduktion in der USA zurückzuführen ist.

Der FAO-Fleisch-Preisindex* lag im August bei durchschnittlich 122,7 Punkten und damit um 1,8 Punkte (-1,5 %) niedriger als im Juli, was auch den zweiten monatlichen Rückgang in Folge gegenüber dem im Juni 2022 erreichten Allzeithoch bedeutete; er blieb jedoch um 9,3 Punkte (+8,2 %) über dem entsprechenden Vorjahreswert. Im August gingen die internationalen Notierungen für Geflügelfleisch zurück, was auf geringere Importkäufe führender Importeure und etwas höhere globale Exportverfügbarkeiten zurückzuführen war. Unterdessen gingen die Weltmarktpreise für Rindfleisch aufgrund der schwachen Inlandsnachfrage in einigen führenden Exportländern, eines steigenden Exportangebots und eines leichten Anstiegs des australischen Angebots zurück. Dagegen stiegen die Preisnotierungen für Schweinefleisch aufgrund des anhaltend geringen Angebots an schlachtreifen Schweinen, während sich die Preise für Schaffleisch aufgrund der gestiegenen Importnachfrage aus einigen europäischen Ländern leicht erholten, was die geringeren Käufe Chinas ausglich.

Der FAO-Milchprodukte-Preisindex lag im August bei durchschnittlich 143,5 Punkten und damit 3,0 Punkte (-2,0 %) niedriger als im Juli, was den zweiten monatlichen Rückgang in Folge bedeutet, aber immer noch 27,3 Punkte (+23,5 %) über dem Wert vor einem Jahr. Im August gingen die internationalen Preisnotierungen für Butter und Milchpulver zurück, was vor allem auf eine schwächere Nachfrage nach Spotlieferungen seitens der meisten führenden Importeure zurückzuführen war, da die Lagerbestände weiterhin ausreichten. Die Markterwartungen, dass die Lieferungen aus Neuseeland in der neuen Produktionssaison zunehmen werden, drückten ebenfalls auf die internationalen Preise, trotz rückläufiger Milcherzeugung in mehreren wichtigen Erzeugerregionen in Westeuropa und den USA. Im Gegensatz dazu stiegen die Weltmarktpreise für Käse den zehnten Monat in Folge, was auf eine stabile weltweite Importnachfrage und einen robusten Inlandsabsatz, insbesondere in den EU-Urlaubsländern, zurückzuführen ist.

Der FAO-Zucker-Preisindex lag im August bei durchschnittlich 110,4 Punkten und damit 2,4 Punkte (-2,1 %) niedriger als im Juli. Dies ist der vierte monatliche Rückgang in Folge und der niedrigste Stand seit Juli 2021. Auslöser für den Rückgang im August waren vor allem die Anhebung der Obergrenze für Zuckerexporte in Indien und die niedrigeren Ethanolpreise in Brasilien, die die Erwartung eines verstärkten Einsatzes von Zuckerrohr zur Zuckererzeugung weckten. Die in der ersten Augusthälfte aufgrund ungünstiger Witterungsbedingungen geringer als erwartet ausgefallene brasilianische Zuckerproduktion und die anhaltenden Bedenken hinsichtlich der Auswirkungen der Trockenheit auf die Ernte 2022 in der EU verhinderten jedoch einen stärkeren Rückgang der Zuckerpreise. Die Aufwertung des brasilianischen Real gegenüber dem US-Dollar trug ebenfalls dazu bei, den Rückgang der Weltmarktpreise für Zucker (in US-Dollar) zu begrenzen.

*im Unterschied zu den anderen Warengruppen sind die meisten Preise, die in die Kalkulation des FAO-Fleisch-Preisindex einfließen, zum Zeitpunkt der Errechnung und Veröffentlichung des Preisindex noch nicht verfügbar. Deshalb war der Wert des Fleisch-Preisindex in den meisten der letzten Monate eine Mischung aus vorausgesagten und beobachteten Preisen. Das kann in bestimmten Fällen eine deutliche Revision des endgültigen Wertes des FAO-Fleisch-Preisindex bedeuten, welche wiederum den Nahrungsmittel-Preisindex beeinflussen kann.

Kellner, 08.09.2022

Detaillierter Überblick:

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